Ob Wasserverluste, Veranstaltungsorganisation oder Grünraumpflege – immer mehr Gemeinden setzen auf datengestützte Lösungen, um Ressourcen zu schonen und Kosten zu senken. Beispiele zeigen: Wer Daten gezielt erhebt und nutzt, kann Abläufe spürbar verbessern – und schafft echten Mehrwert für Bürgerinnen und Bürger.
Autor: Helmut Reindl
Digitalisierung in Gemeinden beginnt oft im Kleinen – bei einem Sensor im Boden oder einem Zähler im Wassernetz. Doch die Wirkung ist beachtlich: Weniger Wasserverlust, geringere Stromkosten, effizientere Abläufe. Viele Gemeinden zeigen bereits, wie sich durch gezieltes Datenmanagement konkrete Einsparungen erzielen und gleichzeitig die Lebensqualität steigern lassen. Entscheidend ist dabei nicht die Technik allein, sondern der Wille, bestehende Prozesse grundlegend zu hinterfragen.
Laab im Walde: Weniger Wasserverbrauch durch Datenanalyse
Die Gemeinde Laab im Walde betreibt auf ihrem Internetauftritt ein Dashboard, um den Wasserverbrauch zu überwachen und zu regulieren. Mit wenigen Klicks erhält man einen Überblick über den Gesamtverbrauch oder den Verbrauch in den einzelnen Haushalten. Das gesamte Ortsgebiet wurde in Zonen eingeteilt, und diese Zonen wurden Wasserzählern zugeordnet. So kann der Wasserverbrauch mit der eingespeisten Wassermenge verglichen werden und man erhält eine Übersicht, wie die Verbräuche in den einzelnen Zonen aussehen. Wenn über einen Zeitraum von 48 Stunden ungewöhnlich viel Wasser verbraucht wird, erhält die Gemeinde automatisch einen Alarm, denn ein hoher Verbrauch deutet häufig auf ein Leck hin. Die betroffenen Haushalte werden dann kontaktiert und können nachschauen, ob es etwa einen Rohrbruch gibt. „Das schützt die Bürgerinnen und Bürger vor hohen Rechnungen und die Gemeinde vor Ausgaben, denn bei sehr hohen Rechnungen muss man ja oft eine Kulanzregelung finden, und die Gemeinde bleibt dann zumindest auf einem Teil der Kosten sitzen“, erklärt Bürgermeister Peter Klar. „Wir hatten etwa den Fall einer Grundstücksbesitzerin, die den Wasserhahn bewusst leicht geöffnet ließ, um die Leitung ,durchzuspülen‘. Wenn sie das längere Zeit gemacht hätte, hätte das eine Wasserrechnung von rund 20.000 Euro verursacht. Durch das digitale Monitoring konnten wir rechtzeitig eingreifen. Digitalisierung bedeutet hier also nicht nur Technik, sondern auch Bewusstseinsbildung!“ Insgesamt ist es durch den Einsatz neuer Technologien gelungen, die Leckagen-Rate von 20 bis 30 Prozent auf bis zu 5 bis 10 Prozent zu reduzieren. Neben den massiven umwelttechnische Vorteilen bei der Erkennung von Wasserverlust kann die Gemeinde somit Einsparungen von rund 100.000 Euro pro Jahr durch nicht versickertes Wasser erreichen. Auch konnten bereits rund 40 Rohrbrüche in privaten Haushalten verhindert werden.
Ausbau scheitert am Geld
Im Endausbau soll das Dashboard auch einen Überblick über die Stromversorgung und die Nutzung der Straßenbeleuchtung ermöglichen. Die Daten werden bereits erfasst und gespeichert, aber derzeit fehlen die finanziellen Mittel, um sie umfassend zu analysieren und visuell aufzubereiten. Geplant ist, das Projekt gemeinsam mit der gemdat innerhalb des nächsten Jahres voranzutreiben.
Großes Interesse an WhatsApp-Kanal
In Laab wird auch in anderen Bereichen die Digitalisierung vorangetrieben. So betreibt die Gemeinde auch einen WhatsApp-Kanal mit Push-Nachrichten. Das Interesse der Bevölkerung ist erstaunlich hoch, nahezu jeder zweite Einwohner nutzt den Kanal. Informiert wird dort über Straßensperren, Veranstaltungen, Ausfälle, Sicherheitshinweise und andere aktuelle Themen. Bürgermeister Klar: „Das zeigt: Wenn der Nutzen klar ist, werden digitale Angebote sehr stark angenommen.“
Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein
Bei allen Digitalisierungsschritten gehe es darum, so Peter Klar, das Service-Level zu erhöhen: „Also mehr Service bei weniger bürokratischem Aufwand. Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Sie muss eine konkrete Erleichterung bringen.“ Allerdings passiert das nicht automatisch. „Digitalisierung bedeutet Veränderung, und Veränderung braucht Begleitung. Man muss bestehende Strukturen und Abläufe kritisch hinterfragen: Funktioniert ein Prozess überhaupt noch sinnvoll? Ist er digital geeignet? Und ist es sinnvoll, ihn zu digitalisieren? Ein analoger Prozess, der schon im normalen Ablauf nicht gut funktioniert, wird digital in der Regel auch nicht besser.“ Deshalb sei die eigentliche Herausforderung nicht, einen Prozess einfach „von A nach B“ zu übertragen, sondern ihn grundlegend zu überdenken. „Manchmal bedeutet Digitalisierung auch, Dinge zu vereinfachen oder ganz wegzulassen. Das Ziel ist immer ein echter Mehrwert für die Menschen.“
Tulln: Smarte Sensoren für nachhaltige Grünraumpflege
Die Gartenstadt Tulln geht als „Green Smart City” neue Wege in der Grünraumpflege. Um sie vor Trockenstress zu bewahren, werden neu gepflanzte Stadtbäume mit Feuchtigkeitssensoren ausgestattet, die über ein energieeffizientes LoRaWAN-Netzwerk vernetzt sind. Derzeit messen 40 Sensoren – unter anderem von der Donaulände und vom neu gestalteten Nibelungenplatz – kontinuierlich die Bodenfeuchtigkeit im Wurzelbereich und übermitteln die Daten an die Stadtgärtnerei. So wird ressourcenschonend nur dann bewässert, wenn es tatsächlich nötig ist. Damit können die Gießrouten optimiert werden, was wiederum ökonomisches Arbeiten und ökologisch sinnvollen Wassereinsatz ermöglicht. Der Vorteil der LoRaWAN-Technologie: Hunderte Sensoren lassen sich über große Distanzen verwalten, und die Batterien halten bis zu zehn Jahre ohne Wechsel. Das bedeutet minimalen Wartungsaufwand bei maximalem Nutzen. Gerade in den kritischen ersten Standjahren verbessert die datengestützte Bewässerung die Anwuchspflege erheblich. Darüber hinaus wird in Tulln bei einigen Bäumen im Au- und Stadtgebiet im Rahmen eines Pilotprojekts „Retenis“ (vormals „Agrobiogel“) getestet. Dabei handelt es sich um ein weltweit einzigartiges, rein ökologisches Gel aus Holzfasern, das Wasser speichert und langsam wieder abgibt. Gespräche über eine Fortsetzung/ Ausweitung dieses Pilotprojekts werden in den nächsten Wochen geführt.
Ardagger: Software für Kirtags-Organisation
Der Kollmitzberger Kirtag zählt zu den größten Veranstaltungen im Mostviertel. Fünf Festzelte, rund 300 Stände und etwa 30.000 Besucherinnen und Besucher bedeuten einen hohen organisatorischen Aufwand. „Bisher gab es da viel Zettelwirtschaft“, sagt der Ardagger Bürgermeister und Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl. Um das zu ändern, wandte er sich mit konkreten Vorstellungen an den aus der Gemeinde stammenden Softwareentwickler Andreas Zeiner. Dieser hat für die Gemeinde bereits digitale Lösungen für den Fahrtendienst EMIL und für „Essen auf Rädern“ umgesetzt. Für den Kirtag wünschte sich Bürgermeister Pressl unter anderem die Integration eines Bezahlsystems. Auch die Idee, die Auslastung der Parkplätze mittels Drohnen zu erheben, wurde eingebracht. „Er hatte sehr konkrete Vorstellungen“, berichtet Zeiner.
Prototyp entwickelt
In einem „Hackathon“ – ein Event, in dem alle Beteiligten für zwei Tage zusammenkamen – wurde dann von der in Diendorf am Kamp ansässigen Firma MBIT Solutions ein Prototyp entwickelt. „Auf dieser Basis bauen wir die Software auf“, erläutert Zeiner. Der erste Schritt ist eine Registrierungsplattform. Über diese können Anträge gestellt und Standplätze zugeteilt werden. Dazu werden dann weitere Module kommen, etwa die Software zur Zuordnung der Marktstände auf Basis von GPS-Koordinaten. „Die Besucherinnen und Besucher sollen die Möglichkeit haben, einen Plan abzurufen, wo sich ein für sie interessanter Stand befindet und was dort verkauft wird“, sagt Zeiner. „Ziel ist eine Full-featured-Anwendung, die möglichst viele Bereiche rund um die Kirtagsorganisation abdeckt und die ständig erweitert werden kann.“ Adaption für andere Gemeinden möglich Derzeit ist schon eine Registrierungsplattform, über die Anträge abgewickelt und die Zuteilungen gemacht werden können, im Einsatz. Die Software wird als Website zur Verfügung gestellt, eine spätere Nutzung über eine App ist grundsätzlich möglich. Konzipiert ist die derzeitige Lösung für die Gemeinde Ardagger und den Kollmitzberger Kirtag. „Grundsätzlich wäre aber eine Adaption für andere Gemeinden und andere Veranstaltungen möglich, denn beispielsweise die Software für Anmeldungen kann leicht adaptiert werden“, so Andreas Zeiner.
Haidershofen: Digitale Sicherheit für sauberes Trinkwasser
Haidershofen im Bezirk Amstetten zeigt, wie kleine Gemeinden mit Sensorik und IoT (Internet of Things) ihre Trinkwasserversorgung absichern können. In Zusammenarbeit mit einem IT-Unternehmen wurden die Hochbehälter der Gemeinde mit Sensoren ausgestattet, die Pegelstände und Wasserbezug in Echtzeit erfassen. Über ein Fernwirk- und Leitsystem am Gemeindeamt haben die Mitarbeiter die Anlage jederzeit im Blick und können bei Engpässen sofort reagieren. Das Besondere: Die Messdaten werden auf der Gemeindehomepage auch den Bürgerinnen und Bürgern online zugänglich gemacht. So lässt sich für die einzelnen Ortsteile jederzeit einsehen, wie es um die Versorgungslage steht. Das ist vor allem im Frühling interessant, wenn Swimmingpools befüllt werden: Nähert sich der Pegel einem kritischen Schwellwert, müssen Schwimmbadbefüllungen zurückgestellt werden.