„Mann von der Straße“ als Gestalter der Gemeinde

Bürgermeister Stefan Lang aus Retz zeigt, wie seine langjährige Erfahrung bei der Polizei das Sicherheitsgefühl und den Zusammenhalt in seiner Heimatstadt prägt. Ein Porträt über einen Stadtchef, der Bürgernähe und das persönliche Gespräch als Schlüssel zum Erfolg sieht.

Autor: Bernhard Steinböck

Die Weinviertler Stadtgemeinde Retz mit ihren knapp 4.500 Einwohnern ist ein malerischer Ort, bekannt für ihren beeindruckenden Erlebniskeller und einen historischen Stadtkern, der Besucher in seinen Bann zieht – und anhand weiterer Argumente ist man gewillt, Austragungsort der Landesausstellung 2030 zu werden. Wie viele andere Gemeinden in Niederösterreich steht auch Retz vor finanziellen Herausforderungen. Trotzdem ist die Stimmung in der Bevölkerung bemerkenswert positiv. Das liegt nicht zuletzt am politischen Klima: Bei der Gemeinderatswahl 2025 erreichte die Volkspartei beachtliche 61 Prozent, und die Zusammenarbeit mit SPÖ und Grünen wird als sachlich und konstruktiv beschrieben. Fragt man die Menschen auf der Straße nach ihrem Bürgermeister, erntet man durchwegs anerkennende Worte. Was immer wieder betont wird, ist seine außergewöhnliche Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern. Einer, der das nur zu gut bestätigen kann, ist Oberschulrat Reinhold Griebler. Als pensionierter Lehrer und Obmann der Senioren-Gemeindegruppe ist er eine Institution in Retz. „Beim Bürgermeister merkt man, dass er früher Polizist war, denn er legt sehr viel Wert auf das Thema Sicherheit“, erzählt Griebler. „Als ehemaliger Lehrer weiß ich, wie wichtig das ist. Er hat sich beispielsweise für eine Geschwindigkeitsbeschränkung in Schulstraßen und für sichere Radwege stark gemacht. Außerdem nimmt er sich viel Zeit für Bürgergespräche, ist viel unter den Leuten und bei Veranstaltungen. Er ist halt immer da für uns.“

Ein Fundament aus Erfahrung und Recht

Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr. Stefan Langs beruflicher Werdegang ist eng mit dem Thema Sicherheit verknüpft. Seine Laufbahn begann er als Grenzpolizist, bevor er 2010 zur Polizeidienststelle Retz wechselte und zum sprichwörtlichen „Dorfpolizisten“ wurde. „Ich komm‘ halt von der Straße“, ist eine der ersten scherzhaften Aussagen, die dem charmanten Gemeindeoberhaupt über die Lippen kommt. Seit dem 17. Dezember 2021 ist er Bürgermeister – ein Amt, das er mit vollem Einsatz ausfüllt. „Wenn ich den Job als Bürgermeister mache, dann mache ich den als Fulltime-Job“, stellt Lang klar. „Um die Aufgaben bestmöglich erledigen zu können, braucht es einfach seine Zeit.“ Deshalb war er dankbar für die Möglichkeit, seine Stunden im Bundesministerium für Inneres, wo er seit 2016 im Zentralausschuss tätig ist, reduzieren zu können. Seine Vergangenheit bei der Polizei ist für sein heutiges Amt von unschätzbarem Wert. „Mir kommen von meiner Polizeiarbeit vor allem die vielen rechtlichen Hintergründe zugute, die ich im Lauf meiner Tätigkeit sammeln konnte“, erklärt der Bürgermeister. Er kennt den Unterschied zwischen der anonymen Arbeit als Grenzpolizist und dem persönlichen Kontakt als lokaler Beamter. „Als Dorfpolizist nimmst du auch sehr persönliche Dinge mit, gerade im familiären Bereich, wo du auch einwirken kannst. Man kennt sich hier einfach.“ Dieses Wissen schärfte sein Verständnis für die Sorgen der Menschen und lehrte ihn einen sensibleren Umgang mit dem Thema Sicherheit. Noch heute wenden sich Bürger mit rechtlichen Fragen an ihn, insbesondere wenn es um das Thema Anzeigen geht. Sein Rat ist dabei immer derselbe: „Habt keine Scheu: Die Polizei ist nicht nur fürs Strafen da, sondern Freund und Helfer!“

Auf Augenhöhe: Das Erfolgsrezept für die Gemeinde

Stefan Lang hat den Leitsatz „nah am Bürger sein“ verinnerlicht. „Ich habe diesen Dorfpolizisten immer gelebt“, sagt er. Diese Philosophie hat er nahtlos in sein Bürgermeisteramt übertragen. Für ihn ist klar: Sowohl der Polizist als auch der Bürgermeister haben die oberste Aufgabe, für die Bevölkerung da zu sein und auf Augenhöhe zu agieren. Das persönliche Gespräch ist für ihn dabei unerlässlich und weitaus effektiver als digitale Kommunikation. „Das persönliche Gespräch erspart einem Tausende an Zeilen und dadurch Unmengen an Zeit, die man fürs Bürgermeister-Dasein benötigt.“ Deshalb findet man ihn häufiger auf der Straße im Dialog mit den Menschen als in den sozialen Medien.

Hand in Hand für ein sicheres Retz

Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Polizei ist für Lang eine Selbstverständlichkeit. Er erinnert sich, dass es früher üblich war, dass sich Bürgermeister und Polizeikommandant regelmäßig austauschten. Heute, so meint er, müsse man das, was früher selbstverständlich war, oft durch Initiativen wie „Gemeinsam Sicher“ oder „Coffee with Cops“ neu beleben. Er selbst pflegt einen engen Kontakt zu jedem einzelnen Polizisten in Retz und sieht die Gemeinde auch als Serviceeinrichtung für die Exekutive. „Mein Handy ist jederzeit eingeschaltet. Wenn die Polizei in der Nacht etwas benötigt, dann bin ich da“, versichert Lang. Ob es um kurzfristige Absperrungen bei einem Kanalgebrechen auf einer Bundesstraße geht oder andere Notfälle – auf ihn können sich die Beamten verlassen, so wie er sich wiederum auf sie. Es ist diese gelebte Partnerschaft, die das Sicherheitsnetz in Retz so stark macht und beweist, dass Verantwortung und Engagement keine Amtsstunden kennen.

Gemeinsam.Sicher in Österreich

Diese Initiative des Bundesministeriums für Inneres fördert den Dialog zwischen Bürgern, Gemeinden und der Polizei, um gemeinsam an Sicherheitslösungen zu arbeiten. Sie stärkt das Miteinander und ermöglicht es, lokale Sicherheitsthemen aktiv anzugehen.

https://www.gemeinsamsicher.at/

Coffee with Cops

„Coffee with Cops“ ist ein aus Amerika adaptiertes Programm zur Vertiefung der Beziehung zwischen Bevölkerung und Polizei. Bei einer Tasse Kaffee lernen die Menschen ihre lokalen Polizistinnen und Polizisten in entspannter Umgebung besser kennen, wodurch Vorurteile und Barrieren abgebaut werden. Es gibt keine Tagesordnung, sondern die unkomplizierte Gelegenheit, Ideen auszutauschen und vertrauensvolle Verbindungen aufzubauen. Aktionen finden österreichweit statt. Kontaktieren Sie dazu Ihre örtlich zuständige Dienststelle.

 

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