Die meisten Menschen in Niederösterreich fühlen sich sicher. Umfragen und Berichte zeigen ein insgesamt hohes Sicherheitsgefühl. Gleichzeitig gibt es Unterschiede zwischen Regionen, Bevölkerungsgruppen und Situationen.
Autor: Helmut Reindl
Das Sicherheitsgefühl in Niederösterreich ist hoch. Laut Sicherheitsbericht des Innenministeriums fühlen sich rund 91 Prozent der Menschen sicher oder sehr sicher. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Regional-Umfrage des KURIER. Dort gaben 90 Prozent der Befragten an, sich in ihrem Umfeld sicher zu fühlen.
Diese Zahlen stehen auch im Zusammenhang mit der Entwicklung der Kriminalität. Laut Innenministerium ist die Kriminalität in Österreich seit dem Jahr 2017 um 5,7 Prozent zurückgegangen. Ein Rückgang von Straftaten kann das Sicherheitsgefühl stärken. Dennoch zeigt sich immer wieder, dass das subjektive Empfinden nicht immer direkt mit der tatsächlichen Kriminalitätslage übereinstimmt.
Große Unterschiede zwischen den Bezirken
Innerhalb Niederösterreichs unterscheiden sich die Werte deutlich. Am größten ist das Sicherheitsgefühl im Bezirk Scheibbs. Dort gaben 99 Prozent der Befragten an, sich sicher zu fühlen. Am unsichersten fühlt man sich in St. Pölten. Dort sagten nur 78 Prozent, dass sie sich sicher fühlen. Im Vergleich zur Bundeshauptstadt ist aber auch das ein guter Wert – in Wien fühlen sich nur rund 76 Prozent subjektiv sicher. In Favoriten hat nur die Hälfte der Befragten ein gutes Gefühl, wenn sie auf die Straße gehen. „Interessanterweise schneiden innere Bezirke wie die Innere Stadt, Mariahilf oder Neubau gut ab, obwohl es dort die meisten Anzeigen gibt. Das liegt auch an den Einkaufsstraßen, da dominiert der Taschen- und Ladendiebstahl“, zitiert der KURIER den Sozialwissenschaftler Günther Ogris. „Fragt man die Menschen nach ihrem Sicherheitsgefühl, dann orientieren sich viele nicht and der realen Kriminalität, sondern am medialen Diskurs.“ Es ist aber auch zu vermuten, dass Eigentumsdelikte als weniger bedrohlich wahrgenommen werden, als körperliche Gewalttaten.
Unterschiede zwischen Wählergruppen
Deutliche Unterschiede im subjektiven Sicherheitsgefühl zeigen sich auch bei den unterschiedlichen Wählergruppen: Bei den Befragten, die aktuell die FPÖ wählen würden, fällt das subjektive Sicherheitsgefühl signifikant schlechter aus als bei Wählerinnen und Wählern anderer Parteien. Hier gaben nur 72 Prozent an, sich sehr bis eher sicher in ihrem Bezirk zu fühlen. Am sichersten fühlen sich Grün-Wähler.
Nachts verändert sich das Bild
Eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Marketagent in Kooperation mit der FH Wiener Neustadt, Campus Wieselburg, zeigt: 86 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher betrachten ihr Land grundsätzlich als sicheren Ort. Doch sobald die Sonne untergeht, verändert sich das Bild deutlich. Tagsüber fühlen sich über 91 Prozent in ihrer Wohnumgebung sicher. Nachts sinkt dieser Wert auf rund 70 Prozent. Fast die Hälfte der Befragten gibt an, sich nachts unsicherer zu fühlen als noch vor fünf Jahren. Besonders betroffen sind Frauen, jüngere Menschen und Großstadtbewohnerinnen und -bewohner. Das schlägt sich auch in konkretem Verhalten nieder: 46 Prozent meiden nachts Parks und Grünanlagen, 40 Prozent bleiben bestimmten Stadtvierteln generell fern. Nur jeder Zweite öffnet Unbekannten bedenkenlos die Tür. Beim Trampen fühlen sich 59 Prozent unwohl – das ist der Bereich, in dem das Unbehagen am größten ist.
Frauen und junge Menschen besonders betroffen
Das Sicherheitsempfinden ist stark von demografischen Merkmalen abhängig. Vor allem jüngere Menschen und Frauen berichten von Situationen, in denen sie sich bedroht fühlen. Bei sexualisierter Gewalt zeigen sich besonders deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede: 30 Prozent aller Frauen fürchten sexuelle Belästigung oder Übergriffe. Bei jungen Frauen steigt dieser Wert auf 60 Prozent. Mehr als die Hälfte der Befragten fürchtet insgesamt körperliche Übergriffe. Jeweils 50 Prozent beschreiben ein Unbehagen gegenüber bestimmten Personengruppen oder ein allgemeines Unsicherheitsgefühl. Ein Viertel sorgt sich konkret vor körperlichen Attacken, jeder Fünfte vor Eigentumsdelikten wie Einbruch oder Betrug.
Wovor sich die Menschen fürchten
Eine im Herbst 2025 vom Verteidigungsministerium durchgeführte Umfrage hat erhoben, welche politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen als bedrohlich wahrgenommen werden. Dabei zeigt sich, dass sich die Bevölkerung vor allem durch steigende Preise, Zuwanderung, Klimawandel sowie durch die Verbreitung von falschen Informationen im Internet bedroht sieht. Stark angestiegen ist das Bedrohungsgefühl vor Spannungen zwischen Europa und den USA. Blackouts, der Zerfall der EU, aber auch die Ausbreitung gefährlicher Krankheiten werden dagegen kaum als Bedrohung wahrgenommen.