Der Einsatz für die eigene Gemeinde und der Dienst beim Bundesheer folgen derselben Haltung: Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. In Niederösterreich gibt es mehrere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die diesen doppelten Dienst leben – und damit vorzeigen, wie wichtig Wertschätzung, Verlässlichkeit und Zusammenarbeit für das Funktionieren unseres Gemeinwesens sind.
Den Dienst an der Gemeinschaft leisten nicht nur Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Mandatarinnen und Mandatare, sondern auch die Soldatinnen und Soldaten des Österreichischen Bundesheeres. Oftmals unbemerkt im Alltag, aber unersetzlich in der Krise.
Zwei Berufe, eine Berufung

Dass sich der Dienst in der Gemeinde und der Dienst beim Heer ideal ergänzen können, zeigen mehrere niederösterreichische Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die beide Verantwortungsbereiche aus eigener Erfahrung kennen. Zwei davon stehen exemplarisch für diese Verbindung. Silvia Riedl-Weixlbraun, Bürgermeisterin von Göpfritz an der Wild, ist auch Referatsleiterin und Umweltschutzbeauftragte am Truppenübungsplatz Allentsteig. Sie sieht sich als wichtige Schnittstelle: „In meiner Funktion vereine ich zwei verantwortungsvolle Aufgabenbereiche, die sich in vielerlei Hinsicht voll ergänzen. Diese doppelte Perspektive ermöglicht es mir, wertvolle Synergien zu nutzen – insbesondere in den Bereichen Krisenmanagement, Organisation, Führung sowie strategische Planung.“ Für sie ist das Bundesheer ein verlässlicher Partner ihrer Kleinregion.

Auch Herwig Graf, Bürgermeister von Ottenthal im Bezirk Mistelbach und Oberstleutnant sowie Personaloffizier in der Bolfras-Kaserne Mistelbach, profitiert von seinem Netzwerk aus beiden Welten. „Sowohl Bürgermeister als auch Soldat haben eine wichtige ideelle Komponente“, erklärt Graf. „Ich komme beim Bundesheer aus der Öffentlichkeitsarbeit und habe dementsprechend die letzten Jahre viele Kontakte geknüpft. Heute ist daraus ein Netzwerk geworden, von dem beide Jobs profitieren.“
Das Bundesheer als verlässlicher Partner
Die Wertschätzung für das Bundesheer zeigt sich in der Bevölkerung besonders deutlich, wenn Hilfe gebraucht wird. Im Schnitt einmal pro Jahr wird in Niederösterreich ein Assistenzeinsatz angefordert – sei es bei Hochwasser, Schneemassen, Waldbränden oder Seuchen wie 2024 bei der Vogelgrippe und 2025 bei der Maul- und Klauenseuche. Wichtig ist: Das Bundesheer rückt nie von selbst aus, sondern nur auf Anforderung ziviler Behörden. Eine Gemeinde kann einen solchen Einsatz über die Bezirkshauptmannschaft oder die Landeswarnzentrale anfordern, wenn ein Ereignis außergewöhnlichen Umfangs die zivilen Kräfte übersteigt.
NÖ Militärkommandant Brigadier Georg Härtinger betont die Wichtigkeit der Zusammenarbeit: „Wir wissen, die beste Arbeit ist Zusammenarbeit. Deshalb wollen wir unsere Partnerschaften ausbauen, innerhalb der Sicherheitsfamilie, mit Behörden und natürlich den Gemeinden.“
„Bedrohungen der Welt werden zu Sorgen der Bürger“

Im Gespräch erklärt Brigadier Härtinger, warum die Investitionen des „Aufbauplans 2032+“ so entscheidend sind: „Wir sind heute mit Bedrohungen auf doppelt so vielen Gefechtsfeldern konfrontiert – zu Land, Wasser, Luft kamen Cyberspace, Weltraum und die kognitive Ebene hinzu.“ Zu den größten Bedrohungen zählt er Desinformation, den Klimawandel mit seinen Naturkatastrophen und eine allgemein fragile Sicherheitslage in Europa. „Das sind Bedrohungen, die zu Sorgen für die Bürgerinnen und Bürger werden, und wir sind für alle zuständig.“ Eine Verlängerung des Wehrdienstes hält er aus fachlicher Sicht für notwendig. „Es hilft das beste Gerät nichts, wenn es keine Soldaten gibt, die damit umgehen können. Und die Situation wird dadurch verschärft, dass in den nächsten Jahren rund ein Drittel aller Bediensteten in den Ruhestand wechselt.“
Vom jungen Bürger zum Soldaten: Ein Band mit der Gemeinde
Die Verbindung zwischen Bundesheer und Gemeinden beginnt früh. Jährlich werden in der Hesser-Kaserne in St. Pölten 8.000 bis 10.000 junge Männer zur Stellung einberufen. Viele Gemeinden organisieren für ihre Stellungspflichtigen Gemeinschaftsfahrten oder Nachbesprechungen und zeigen damit ihre Verbundenheit. Dieser positive Kontakt spiegelt sich auch in Umfragen wider: Acht von zehn Stellungspflichtigen waren 2025 mit der medizinischen Untersuchung zufrieden.
Das Bundesheer ist mit seinen rund 20 Standorten in allen Regionen des Landes präsent und durch speziell ausgebildete Info-Offiziere, die an Schulen und bei Veranstaltungen über die Aufgaben der Landesverteidigung informieren, fest in der Gesellschaft verankert. Dieser ständige Dialog ist die Grundlage für das Vertrauen und die Wertschätzung, die für einen umfassenden Schutz unserer Heimat unerlässlich sind.