Der Digi-Euro: Zukunftslösung für “Bares ist Wahres”?

“Geld emotionalisiert”. Und da ist es gut nachvollziehbar, dass der digitale Euro bereits “spaltet” und auch für “Angstgeschichten” herhalten muss, bevor es ihn überhaupt noch gibt.

Dabei könnte der “Digi-Euro” gerade für Gemeinden im ländlichen Raum ein “Problemlöser” in vielen Bereichen sein: In erster Linie beim Bezahlen direkt von Person zu Person oder auch beim Pfarrkaffee, beim Punschstand oder selbst, wenn die Feuerwehr “sammeln” kommt…; Der gerade viel umstrittene und teure BANKOMAT in immer mehr Gemeinden könnte dann das Gehäuse nicht wert sein, in dem die Geldscheine drinstecken, während das Handy dann auch die Brieftasche ersetzt.

Aber zunächst zum Anfang. Was ist dieser Digitale Euro überhaupt und wie unterscheidet er sich von anderen Karten- oder Handybezahlmodellen? Dazu muss man ein paar Grundbegriffe des Geldsystems kennen, wie das eigentlich funktioniert.

  • Zunächst sind da die Zentralbanken. Die EZB zum Beispiel steuert die Geldmenge im Euroraum und reguliert in Zusammenarbeit mit der nationalen Notenbank die “Geldpolitik”, verantwortet die “Währungsreserven” und sie überwacht Bankgeschäfte, um zum Beispiel Geldwäsche zu verhindern. Schließlich leiht sie auch den Geschäftsbanken zum Leitzinssatz Geld.
  • Die Geschäftsbanken wiederum nehmen Gelder von ihren Kunden als Einlagen entgegen oder verleihen Geld an andere Kunden in Form von Krediten.
    • Sie bieten Dienstleistungen wie Kontoführung oder verschiedene Anlage- und Ausleiheformen von Geld an.
    • Auch der Betrieb von Bankomaten geht vielerorts ohne Geschäftsbanken nicht. 19 Geschäftsbanken in Österreich haben zum Bankomaten-Betrieb bspw. die >>PSA (Payment Service Austria GmbH) gegründet.
    • Und Geschäftsbanken arbeiten auch eng mit Kreditkartenfirmen zusammen, die dann weitere Dienstleistungen wie digitales und online-Bezahlen anbieten.
    • Schließlich wird heute immer mehr von “FIN-TECs” gesprochen. Das sind weitere – fast ausschließlich private Firmen – die dann Mobile Banking und Werkzeuge für elektronischen Handel bzw. kontaktlose Zahlungen bis hin zu Vermögensverwaltung und Kryptowährungen anbieten.

Und da wird´s jetzt auch für die Zukunft sehr spannend, weil “Fin-Tec” Firmen interessante Anwendungen bieten, die auch Lösungen für Problemstellungen ermöglichen, die wir jetzt nur mit BARGELD lösen können. Also wie gebe ich Geld in den Klingelbeutel der Kirche per Handy? Oder eine Lösung, um einem Freund digital Geld von einem Handy auf´s andere Handy rüberzutransferieren? Oder rasch ein Taxi mit dem Handy zu bezahlen?

Vergangene Woche standen neben dem Europaausschuss des Österreichischen Gemeindebundes in Brüssel auch spannende Diskussionen über den digitalen Euro im Raum.

Jetzt wirst Du sagen: Das geht ja schon und das ist auch richtig. Aber die Kosten für technisches Equipment, die Kosten für die Transaktionen und selbst wenn das gelöst ist, in Griechenland im Urlaub wieder ganz andere Anbieter wie in Österreich derartige Services bieten und schließlich auch die einheitliche Einfachheit… das alles sind nach wie vor Probleme. In China – dem 1,1Mrd. Menschen Riesenstaat – geht davon schon so einiges. Aber ein weiteres Problem, das wir dort sehen, ist, dass der Staat bzw. der Anbieterkonzern der WeChat Bezahl-App, einfach alle Daten der Nutzer kennt und auch verwenden kann…; Hier einmal ein Beispiel eines dt. Handelsblattredakteurs, der “digitales BEZAHLEN” in China beschreibt:

Also: Irgendwann wird´s dieses einfache Bezahlen ohne Transaktionsgebühren und direkt ohne Bargeld von Handy zu Handy oder von meinem Handy zum Handy eines Händlers oder Wirtes oder sogar Bettlers geben. Ganz ohne dazwischen geschalteter Kreditkarte und ganz ohne irgendwelche Privatfirmen, die da “mitlesen”, mitschreiben oder Daten für private Gewinninteressen missbrauchen könnten. Dann werden auch Bankomaten obsolet sein, weil Bargeld schlichtweg nicht mehr notwendig ist.

Was es aber in Europa dafür braucht, ist ein “Regelungssystem”, das nun auch in öffentlicher Hand und mit allen Standards der Sicherheit und des Datenschutzes ausgestattet ist, damit genau diese befürchtete, missbräuchliche Verwendung nicht stattfindet und es trotzdem einfach und in ganz Europa einheitlich läuft.

Und da sind wir jetzt beim digitalen Euro. Einfach einem Ersatz von Bargeldmünzen und -scheinen durch eine digitale Bezahlfunktion am Handy, die einheitlich ist.

Die Geschäftsbanken werden übrigens hier weiter ihre Rolle haben, weil Geldmenge und Geldverkehr auch weiterhin über sie geregelt werden. Aber wenn dann einmal ein gewisser Betrag auf meinem Handy digital verfügbar ist, dann wird von außen niemand mehr eingreifen und Transaktionen von der zukünftigen Brieftasche (Wallet) am Handy in die Brieftasche eines anderen Handys völlig ohne Bank ablaufen können.

>> hier gibt´s Grundsatzinfos der EZB zum digitalen EURO

>> hier gibt´s eine Vortragsunterlage on Doris Rijnbeek, der Leiterin der Österr. Repräsentanz der Nationalbank bei der EU in Brüssel

>> hier gibt´s noch einen Film der österr. Nationalbank zum Projekt “digitaler Euro”:

Der EZB-Rat hat am 18. Oktober 2023 entschieden, die Vorbereitungsphase zum digitalen Euro am 1. November 2023 zu starten, die zunächst auf zwei Jahre angelegt ist.

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