Die Gemeinden und ihr Wasser

Das kostbarste Gut auf Erden ist keine Selbstverständlichkeit, und der Umgang damit wird ob der immer extremer werdenden Wetterverhältnisse entscheidend sein.

Wenngleich der aktuelle Wasserbedarf nachhaltig gedeckt werden kann, könnten die verfügbaren Grundwasserressourcen in Österreich bis 2050 um bis zu 23 Prozent – von derzeit 5,1 auf 3,9 Milliarden Kubikmeter – abnehmen. So jedenfalls lautet die Prognose für das „ungünstige“ Szenario, das in der Studie „Wasserschatz Österreichs“ ermittelt wurde. Und wer schon einmal in südlicheren Ländern unterwegs war und weiß, wie man dort mühsam Wasserkanister nach Hause schleppt, weiß auch, welches Privileg es ist, die Leitung aufzudrehen und Wasser zu trinken.

„Wasser marsch“ in Eigeninitiative

Ausgetrocknete Brunnen, leere Schotterteiche und Badeseen und versiegte Quellen: Der Klimawandel und die Trockenheit haben auch in Teilen Ostösterreichs massive Auswirkungen auf die Wasserversorgung mit sich gebracht. Die Bucklige Welt hatte ebenfalls bereits damit zu kämpfen, wie Krumbachs ehemaliger Bürgermeister Josef Freiler berichtet: „In vielen Gemeinden mussten immer wieder Wassersparmaßnahmen angeordnet werden, weil oft die Mengen nicht ausgereicht haben. Außerdem war es in den meisten Gemeinden früher undenkbar, auch für außerhalb der geschlossenen Ortschaften situierte Liegenschaften, seien es Wohnobjekte oder auch landwirtschaftliche Anwesen, an ein Netz der Gemeinde anzuschließen, da dafür Ressourcen nicht ausreichend vorhanden waren.“ Eine Lösung musste her, die vor sechs Jahren mit dem „Wasserverband Trinkwassersicherung Bucklige Welt“ realisiert wurde. Unter der Führung Freilers schlossen sich neun Gemeinden (Bad Schönau, Bromberg, Edlitz, Grimmenstein, Hollenthon, Krumbach, Lichtenegg, Thomasberg und Wiesmath) zusammen und legten eine Versorgungsdruckleitung quer durch die Bucklige Welt. Eine knapp 70 Kilometer lange Leitung, die die Trinkwasserversorgung von 13.500 Einwohnern sichert.

„Die Projektkosten von 7,3 Millionen Euro wurden mit lokalen Banken fremdfinanziert, die Rückzahlung erfolgt durch den Verband“, wie Freiler erklärt und ergänzt: „Die Aufteilung der Kosten erfolgt nach dem Verbandsschlüssel, in dessen Berechnung neben der Anzahl der Bewohner auch die Zahlen der versorgten Nutztiere, der Übernachtungen, ein ermittelter Wasserbedarf und der Deckungsgrad aus eigenen Versorgungsanlagen bei Ausfall des Hauptwasserspenders der eigenen Anlage mit eingerechnet werden.“

Als Besonderheit des Projektes wurde genannt, dass die drei Hauptpumpwerke jeweils über ein Notstromaggregat verfügen und aufgrund von PV-Anlagen und Speicher auch im Falle eines Blackouts funktionieren würden. Entlang der vorwiegend in Höhenlagen verlegten Transportleitungen wurden zudem zusätzlich 28 Hydranten errichtet, um die Versorgung mit Löschwasser für die Feuerwehr zu verbessern.

3 Gemeinden teilen sich Brunnen

Auch in den Melker Gemeinden Bergland, Petzenkirchen und Erlauf hat man sich der gemeinsamen Wasserversorgung verschrieben. Ein gemeinsamer Brunnen sorgt seit drei Jahren für eine sichere Bereitstellung. Ausschlaggebend für den Bau war laut Karl Pabst, Amtsleiter von Bergland, der Wasserplan des Landes NÖ. Darin seien Szenarien für die Notversorgung durchgespielt worden, wobei sich herausgestellt hat, dass ein einzelner Brunnen pro Gemeinde ein gewisses Risiko darstellt. Die jährlichen Betriebskosten von rund 60.000 Euro teilen sich die Gemeinden je nach Bedarf, die Zusammenarbeit ist auf 33 Jahre verbindlich geregelt. Kürzlich wurde ein weiterer leistungsfähiger Brunnen für die drei Kommunen ausgehoben, die als ergänzende Versorgung dienen soll und Sonderfälle wie Feuerwehreinsätze, Rohrbrüche oder Reparaturarbeiten abzufedern.

„Einzigartige Kooperation“ mit Industriebetrieb

In Allhartsberg wird das Grundwasser von 900 Haushalten und einem Getränkehersteller – einem der größten Arbeitgeber in der Region – genützt. Die Sorgen für Bürgermeister Anton Kasser waren 2018 jedoch groß, als seiner Gemeinde nach einem sehr trockenen Sommer fast das Wasser ausging. Dieses Horrorszenario wollte er nicht erneut riskieren, und so schloss man im Jahr 2020 mit der Stadt Amstetten und den Stadtwerken ein Abkommen für eine Notversorgung mit 30 Liter/sec. ab. 6,8 Millionen Euro wurden in den Bau einer Wasserleitung und eines Hochbehälters mit 700.000 Liter Fassungsvermögen investiert, um solch eine Krise in Zukunft auszuschließen. „Ohne diesen Tank könnten wir die Zeit des Poolbefüllens etwa nicht mehr bewerkstelligen“, sagt Bürgermeister Kasser. Drei weitere Tanks werden von der Getränkefirma angemietet, um die Wasserversorgung im Betrieb sicherzustellen. „Diese Kooperation mit einem Industriebetrieb ist wohl in Niederösterreich einzigartig“, hält der Bürgermeister fest.

 Mit jedem verbrauchten Cent Gutes tun

Die Marktgemeinde Bad Pirawarth teilt sich eine Wasserversorgungsanlage mit Gaweinstal und ist weit über den Bezirk Mistelbach für ihr flüssiges Gold bekannt: Das Pirawarther Trinkwasser verspricht seit 1376 heilbringende Wirkung und ist heute ein wissenschaftlich anerkanntes Mittel gegen Sekretionsanomalien des Magens und entzündliche Erkrankungen des Magen-Darmtraktes. Mit dem Glück im Gepäck, durch das kostbare Gut gesegnet zu sein, wagte man mit dem damaligen Bürgermeister – NÖ Gemeindebund-Bezirksobmann Kurt Jantschitsch – einen Blick über den Tellerrand und suchte nach Projekten, die Menschen in Dritte-Welt-Ländern einen besseren Zugang zum Lebensmittel ermöglichen. 2020 wurde man auf das Projekt „Wasser Welt Cent“ aufmerksam, dessen Konzept simpel ist: Ein Cent pro verbrauchtem Kubikmeter Wasser in der Gemeinde wird als freiwilliger Solidarbeitrag gespendet und kommt Menschen zugute, die keinen sicheren Zugang zum Trinkwasser haben. Mittlerweile beteiligen sich sechs Gemeinden und der bereits genannte Wasserverband aus der Buckligen Welt an „Welt Wasser Cent“. Herbert Kraner ist dabei der Mastermind hinter der im Jahr 2019 geborenen Idee: „Ich bin Ziviltechniker und begleite schon seit über 30 Jahren Gemeinden und Gemeindeverbände – unter anderem bei der Umsetzung ihrer Wasserversorgungsprojekte. Die globale Schieflage bei der Wasserversorgung und die damit verbundene fehlende Verteilungsgerechtigkeit bei der Ressource führten zur Gründung des Vereins.“ Mit großem Erfolg, konnten doch bereits mehrere Projekte wie eines in Assosa – einer Stadt in Äthiopien – umgesetzt werden: „Es wurde eine Quelle geschaffen, die jetzt ein Gesundheitszentrum mit 40.000 Patienten pro Jahr und eine Schule mit 1.500 Schülern mit Trinkwasser versorgt“, berichtet Kraner stolz.

vlnr: Herbert Kraner, Obfrau DI Dostal-Wanivenhaus, Andrea Grames, Bgm. a.d. Kurt Jantschitsch
vlnr: Herbert Kraner, Obfrau DI Dostal-Wanivenhaus, Andrea Grames, Bgm. a.d. Kurt Jantschitsch

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