Ein Bürgermeister als Radio-Star

Immer mehr PolitikerInnen und Parteien sprechen in ihren eigenen Podcasts über  Ziele, Ansichten und Vorhaben. Bei BürgermeisterInnen sucht man diese (noch) vergebens. Matthias Döhla ist Ortschef der Bayrischen Gemeinde Konradsreuth und unseres Wissens der einzige Bürgermeister im deutschsprachigen Raum, der dieses Audioformat betreibt. Mit uns sprach er über die ersten Schritte und die Vorteile seiner Sendung.

NÖ Gemeindebund: Herr Bürgermeister, man darf Ihnen bald zu Ihrer 100. Ausgabe gratulieren, wie kam es eigentlich zur Idee, einen Podcast auf die Beine zu stellen?

Bgm. Matthias Döhla: Ich habe ja ursprünglich begonnen mit einem Blog. Das war 2008. Da war ich einer der ersten, die überhaupt gebloggt haben. Da habe ich einfach meine Gedanken und meine Gefühlswelt vor der Wahl ein wenig preisgegeben. Und ich glaube, diese Nahbarkeit war es unter anderem auch, die die Leute dazu bewogen hat, um zu sagen: „Probieren wir’s doch mal mit dem, der erzählt wenigstens von seiner Lebenswelt.“ Vor vier Jahren habe ich dann mit dem Podcast begonnen. Ich habe schon immer gerne gesprochen, und wenn man fürs Fernsehen nicht gut genug aussieht, muss man halt Radio machen (lacht).

Konradsreuth hat in etwa 3.200 Einwohner. Wie viele Einwohner hören sich Ihre Sendung im Durchschnitt an?

Ja, also das sind zwischen 100 und 500, sage ich mal pro Woche, die da regelmäßig zuhören. Manchmal sind es mehr, wenn es ein interessantes Thema ist. Aber das ist auf jeden Fall etwas, was schon beeindruckend ist für so eine kleine Gemeinde.

Wie kommt der Podcast bei Ihren Einwohnern an?

Also es wird kaum jemand kommen und sagen: „Mensch, ist aber toll, was du hier machst.“ Ich hatte vor einiger Zeit ein Gespräch mit einem älteren Mitglied des Kirchenvorstandes, die mich drauf angesprochen hatte, warum ich keinen Podcast mehr mache. Das war während Covid, als mir die Themen fehlten. Da habe ich gemerkt: Die Leute vermissen das offensichtlich. Die wollen das gerne hören. Und ja, es hat mich schon beeindruckt. Manchmal kriegt man sehr viel Rückmeldung, wenn man streitige Themen hat.

Stichwort „fehlende Themen“ – das ist im Sommer kein Problem bei Ihnen?

Deswegen mache ich auch im August eine Sommerpause, die sehr wichtig ist. Auch erst mal, dass man sich selbst erholt. Und wir in Bayern sind ja relativ spät dran mit den Ferien und dann merkt man auch, dass es ab Anfang August wie abgehakt ist und die Verwaltung in ruhigerem Fahrwasser ist – da gibt es eben nicht so viel zu berichten.

Wie aufwendig ist das Erstellen eines solchen Podcasts? Braucht man ein Tonstudio dafür? Reicht das Smartphone auch? Wie gehen sie das an?

Für mich ist das ein Zwischending aus simpel und professionell. „Konradsreuth macht freud“ – da habe ich beispielsweise einen Claim produzieren lassen, der anfangs immer eingespielt wird. Es gibt auch kleine Musikstücke, die zwischen den Beiträgen gespielt werden, wo man mit der Vergütungspflicht aufpassen muss. In Deutschland ist das die GEMA (Anmerkung: hierzulande AKM), da muss man aufpassen, dass man da sauber bleibt. Ansonsten habe ich nichts weiter als ein sehr gutes Studiomikrofon, ein gratis Schnittprogramm namens „Audacity“, was beim Arbeiten mit mehreren Tonspuren sehr praktisch ist. Mehr ist es nicht. Meine Podcasts dauern immer zwischen zehn und zwölf Minuten. Die Produktion dauert vielleicht eine Dreiviertelstunde Stunde, dann ist das ganze Ding durch.

Die Produktion ist das eine – der Inhalt das andere. Gibt es da auch einen Tipp, worauf man achten sollte?

Einen ungefähren Plan, was man sagt, sollte man sich schon zurechtlegen. Im letzten Jahr hatte ich auch eine Rüge vom Gemeinderat ausgefasst. Da hatte ich im Podcast etwas öffentlich gemacht, was noch gar nicht behandelt wurde. Da ist es mir dann rausgerutscht, weil ich mich so über ein Thema gefreut habe und die Gemeinderäte gemeint haben: „Wir hätten das auch gerne gewusst.“ Da habe ich mich dann natürlich auch dafür entschuldigt. Die Räte haben das erste Vorrecht auf Information und erst dann darf es an die Öffentlichkeit.

So gut ein Podcast auch produziert werden kann – auf Fotos und Videos muss man dabei doch verzichten. Da geht auch die Interaktion mit den Bürgerinnen und Bürgern auf Facebook und Instagram leichter. Auf Kanälen wie diesen sind Sie nicht anzutreffen…

Ich zähle mich mit Mitte 50 tatsächlich eigentlich nicht zur Instagram- und TikTok-Generation. Facebook habe ich einmal für Wahlkampfzwecke benutzt. 2014 war das, glaube ich und da ist mir aufgefallen, dass Facebook sehr negative Vibes auslöst. Es gibt dann irgendwann Diskussionen, die immer auf’s Gleiche hinausgehen und irgendwelche Leute ihre schlechte Laune in den PC reintippen. Das hat mich gestresst und ich bin jetzt einfach auch in einer Situation, wo ich sage, ich hab in meinem Beruf genügend Stresssituationen, das möchte ich mir nicht zusätzlich schaffen. Wenn Menschen was von mir wollen, dann können sie auch direkt in Kontakt mit mir treten und eben nicht über die Anonymität eines PCs. Beim Podcast habe ich auch einen Kanal geöffnet: „Ihr könnt gerne hier kommentieren.“ Da kommt aber dann tatsächlich nichts oder ganz selten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich kann euch nur dazu ermuntern: Macht auch einen Podcast, es ist eine tolle Geschichte und auch gar nicht so schwierig. Und das, was man zurückbekommt, ist eigentlich viel, viel wichtiger als der Aufwand, den man reinsteckt.

Das gesamte Interview gibt es hier zum Nachsehen:

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