Gemeindearbeit an sich ist Ehrenamt

Lokalpolitiker stopfen sich die Taschen voll, profitieren von Freunderlwirtschaft und schlawinern sich knapp an der Grenze des Strafrechtes durchs Gemeindeleben. So – oder so ähnlich – ist die Darstellung oft in Medien aller Art. Die Realität sieht anders aus.

Lokalpolitiker wie Gemeinderäte sind für die Menschen vor Ort da, investieren viele Stunden ihrer Freizeit für die Gemeinschaft. Sie verbringen unzählige Stunden in Bauverhandlungen, Ausschusssitzungen oder Diskussionsveranstaltungen. Beim Wirtshausbesuch mit der Familie, am Sportplatz oder am Feuerwehrfest finden sie auch noch ein Ohr für politische Anliegen. Im besten Fall. Manchmal erhalten sie an ebendiesen Orten viel Feedback – und das nicht immer konstruktiv.


Gemeinderätinnen und -räte handeln, wenn es etwas zu handeln gibt, sie helfen, wenn Not am Mann ist. Kurzum, sie halten das Leben im Ort in Bewegung. Gemeindepolitik ist mittleres Management – und das alles für meist nicht einmal 200 Euro (brutto) Entschädigung.


Eigentlich ist Lokalpolitik an sich schon ein Ehrenamt. Zumindest aber eine Ehrensache. Denn Vieles, das in unseren Gemeinden selbstverständlich scheint, gäbe es nicht ohne den Einsatz von engagierten Lokalpolitikern.

Ohne Franz Schagerl wäre Scheibbs nicht wirklich Scheibbs.

Späte Berufung
Ein Paradebeispiel dafür ist Franz Schagerl aus Scheibbs. Der ÖVP-Gemeinderat ist eine Triebfeder des gesellschaftlichen Lebens in seiner Heimatstadt. Angefangen hat die Lebensaufgabe Politik für Schagerl erst spät durch seine Pension. Als Mitglied des Seniorenbundes ließ er sich auf die VP-Liste schreiben und schaffte es über Vorzugsstimmen in den Gemeinderat. Ohne Franz Schagerl wäre Scheibbs nicht wirklich Scheibbs. Da ist einmal der Seniorenbund, für den Schagerl jeden Freitag ein Treffen in der Traditionskonditorei Reschinsky organisiert. Schagerl: „Das ist natürlich ein Fixpunkt im Gesellschaftsleben. Es fördert die Sozialkontakte der älteren Mitbürger und belebt gleichzeitig auch die Innenstadt.“


Reiseveranstalter
Doch mit dem wöchentlichen Konditorei-Happening alleine ist Franz Schagerl noch lange nicht ausgelastet. Dreimal im Jahr organisiert er eine mehrtägige Auslandsreise. 2024 stehen St. Michael im Lungau, die Mosel und das Burgenland auf dem Programm. Und wieder geht es ums soziale Gefüge und die Förderung der Wirtschaft – die Reisen sind bis auf den letzten Platz ausgebucht und werden mit dem lokalen Busunternehmen organisiert.


Fahrer gesucht und gefunden
Als Franz Schagerl vom Fahrtendienst „EMIL“ (E-Mobilität im ländlichen Raum) hörte, war er ebenfalls sofort Feuer und Flamme. Die Finanzierung des Autos war über Gemeinde und Förderungen das geringere Problem. Oft scheitern derartige Projekte aber an den Fahrern. Franz Schagerl nutzte wieder die soziale Power seiner Pensionistinnen. Nach kurzer Zeit fand er unter ihnen 17 freiwillige Fahrer und einen ehemaligen Manager, der alles organisiert. Gemeinsam wurde ein Verein gegründet und seit Mai fährt der Fahrtendienst in Scheibbs und wird bestens ausgelastet. Schagerl: „Nur heißt der Emil bei uns Emilia, weil wir auch ein Zeichen für Gleichberechtigung setzen. Uns war auch wichtig, dass die Emilia überfraktionell ist, wir haben im Verein auch andere Fraktionen vertreten. Darum hat das letztlich auch bei der Genehmigung im Gemeinderat so gut funktioniert.“


Im Streit um Gipfelkreuz vermittelt
Sein diplomatisches Geschick konnte Schagerl auch bei einem verfahrenen Projekt einsetzen. Am Greinberg sollte ein Gipfelkreuz errichtet werden, ein Streit zwischen Anrainern, Jägern und der Gemeinde führte aber dazu, dass das fertige Kreuz mehr als zehn Jahre nicht errichtet wurde. In zwei Jahren Kleinarbeit mit unzähligen Gesprächen, Sitzungen und Treffen, schaffte es Schagerl eine Einigung zu erzielen. Nun gibt es ein Gipfelkreuz am Hausberg der Scheibbser, es wurde gemeinsam mit dem Kameradschaftsbund und den einstigen Konfliktparteien bei einem gemeinsamen Fest aufgestellt und eingeweiht.


Fast ein Vollzeitjob
Nebenbei engagieren sich Schagerl und seine Frau noch für die Kirche, die Caritas-Sammlung und den Blumenschmuck. Wieviel Zeit Schagerl für seine Tätigkeiten aufwendet, weiß er nicht einmal. „Zumindest zwei Stunden am Tag werden es schon sein. Oft ist es aber mehr. Ausschusssitzungen, Sitzungen, Ehrenamt – in der Vorwoche war ich eigentlich die ganze Woche vollzeit eingeteilt.“


All diese Tätigkeiten führten dazu, dass der ÖVP-Gemeinderat bei der Herzensmensch- Wahl der Kronenzeitung ausgezeichnet wurde. Eine Anerkennung, die Schagerl stolz macht. Denn er macht das alles nicht für die 176 Euro brutto Aufwandsentschädigung, die er als Gemeinderat bekommt. Schagerl: „Die Anerkennung der Menschen ist der schönste Lohn. Und man bekommt wirklich viel positive Rückmeldungen.“

Das Schlechtreden führt dazu, dass man gar nicht mehr sieht, was man eigentlich alles hat.

Franz Schagerl


Aufruf zum weniger Jammern
Zum Schluss ist Schagerl noch eines wichtig: „Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, wo wir sehr wenig hatten. Unsere Landwirtschaft hat auf dem Rücken von Pferden basiert, wir waren die Letzten, die eine Straße zum Hof bekamen. Heute geht es uns so gut wie nie zuvor, aber alle jammern, als würden sie verhungern. Und immer ist die Politik an allem schuld. Dieses Schlechtreden führt dazu, dass man gar nicht mehr sieht, was man eigentlich alles hat.“

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