Kaufkraft in den Gemeinden stärken – so geht‘s

Die Unterstützung der ortsansässigen Betriebe und Unternehmer ist ein wesentliches Ziel der Bürgermeister und ihrer Gemeinden. Als Anreizsysteme dienen hierzu Regionalwährungen, Gutscheinsysteme und immer öfter auch Apps.

„Fahr nicht fort – kauf im Ort“ ist eine beliebte Phrase, die seit Jahren von Marketingklubs für ihre Gemeinden in Niederösterreich verwendet wird. Vor allem deshalb, weil der Gang zum Wirten, das obligatorische Grillhendl am Samstag vom Fleischhauer oder der Kauf der Wochenend-Leselektüre in der Buchhandlung die Wirtschaftsleistung in der eigenen Region stärkt und auch Jobs davon abhängen. Um den Kaufwillen im Ort auch zu stärken gibt es die unterschiedlichsten Methoden, von Regionalwährung über Aktionstage bis hin zu Bonus-Apps. Wir haben uns einige Modelle in Niederösterreich angesehen …

Regionalwährungen – nicht nur der Euro ist im Umlauf

Eine Form der Umsetzung für Gemeinden und Gemeindeverbände bietet die Etablierung einer Regionalwährung. Aus Sicht der Betreibenden zählt vor allem der Schwerpunkt auf die regionale Wirtschaft, aber auch die Stärkung von gemeinnützigen Vereinen und Gemeinwohl-Aktivitäten als auch der Identifizierung mit der Region zu den Vorteilen dieses Komplementärwährungssystems. Der große Unterschied zum Euro liegt in der beschränkten Nutzbarkeit. Die Währung wird zumeist nur in teilnehmenden Geschäften als Zahlungsart akzeptiert. Auch die Option zu sparen, fällt weg. Eigentliches Ziel ist es nämlich, das Geld auch rasch wieder loszuwerden und so die Geldzirkulation anzukurbeln. Eine solche Währung ist auch der im Jahre 2002 eingeführte „Neulengbacher 10er“, der in allen inhabergeführten Betrieben entgegengenommen werden kann. Der Euro-Ersatz ist ein beliebtes Zahlungsmittel der Stadtgemeinde und wird in den Banken der Regionen (im Wert von zehn Euro) angeboten.

Jeder Neulengbacher Betrieb mit einem Geschäftskonto kann den Neulengbacher 10er als Zahlungsmittel (Wert der Münze entspricht 10 Euro) entgegennehmen. Im Bild: Michaela Schmitz, Vizebürgermeister Paul Mühlbauer, Martha Gruber, Günther Frank, Bürgermeister Jürgen Rummel, Stadträtin Maria Rigler und Stadtrat Florian Steinwendtner (Stadtrat).

„Viele Neulengbacher schätzen die Möglichkeit eines attraktiven Geschenks-Jetons, der zu Weihnachten oder zu runden Geburtstagen verteilt wird“, verweist Bürgermeister Jürgen Rummel auf das beliebte Zahlungsmittel, das als finanzielles Vorzeigeprojekt aufzeigt, wie Kooperation funktionieren kann.

Bürgerservice-Apps als Bonus-Systeme

Regionalwährungen stellen für Betriebe natürlich Anreize dar, für Konsumenten fehlt genau dieser jedoch, zumal die Bezahlung mittels Münzen oder Papiergeld immer seltener wird. Das Leben wird eben immer digitaler, somit sprießen auch hierzulande sogenannte „City-Apps“ aus den Böden der App-Stores. Sie sollen vor allem die Kommunikation zwischen Bürgerinnen und Bürgern und ihren Gemeinden stärken. Infos über Events, die Müllabfuhrtermine aber auch virtuelle Kundenkarten für heimische Unternehmen sollen mittels einer einzigen Applikation abrufbar sein. Dabei kommt man derzeit österreichweit vor allem bei einem Anwender nicht vorbei: GEM2GO. Der Marktführer der Bürgerservice-Apps bietet zahlreiche praktische Erinnerungsfunktionen, beispielsweise für Müllabfuhr oder Veranstaltungstermine. Diese nützlichen Informationen sind rasch auffindbar. Als neues Feature bietet GEM2GO jetzt mit der Bonuswelt ein Kundenbindungsprogramm für ein regionales Shopping-Erlebnis an. Die Unternehmen nehmen dabei für eine jährliche Gebühr teil und erstellen Coupons. Bürgerinnen und Bürger sammeln beim Einkauf in den teilnehmenden Unternehmen per Rechnungsscan Punkte, die sie anschließend in die Coupons umtauschen können. Seit kurzem läuft die Bonuswelt auch in Zwettl.

Start der GEM2GO-Bonuswelt in Zwettl. WTM-Obmann Stellvertreter Rudolf Stolz, Bürgermeister Franz Mold, WTM-Obmann-Stellvertreterin Monika Prinz, GEM2GO-Gründer Michael Kölbl und Rudolf Hobiger, Geschäftsführer des Bonuswelt-Betriebs Eisen Kastner.

Initiiert wurde das Projekt vom Wirtschafts- und Tourismusmarketing der Stadt. Rund 20 Unternehmen schicken ihren Kundinnen und Kunden bereits Push-Nachrichten, in denen sie über Aktionen informieren. „Die Kunden freuen sich, dass Zwettl mit der Bonuswelt zu einer modernen Einkaufs- und Genussstadt geworden ist. Der gute Branchenmix spricht vor allem auch junges Publikum an, was zu noch mehr Vernetzung geführt hat“, so Monika Prinz, WTM-Obmann-Stellvertreterin und Mitarbeiterin des Tourismus-Büros in der Braustadt.

Baden – Weiterentwicklung der „Bonus Card“

Für frischen Wind im Badener Wirtschaftssektor soll auch die neue App „Baden plus“ sorgen. Anders als bei ähnlichen Kundenbindungsprogrammen ist die Teilnahme – unter anderem dank einer Landesförderung – für Mitglieder des Stadtmarketings kostenlos. Bereits vor einigen Jahren wurde im Kurort die Baden Bonus-Card eingeführt, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. Die neue App, die mit 1. Februar in Betrieb gegangen ist, ist nun einerseits eine technische Weiterentwicklung des bestehenden Bonus- Card-, bzw. Baden Gutschein-Systems und andererseits auch eine bedeutende Erweiterung desselben. Weitere Funktionen wie eine Event-Übersicht, Park-Infos, Immobilien- und Stellenmarktanzeigen und vieles mehr runden das App-Angebot ab.

CITIES – App, die Gemeinden mit ihren Unternehmen und Vereinen verbindet

2018 machten es sich die Gründer eines IT-Dienstleisters (APPMEA GmbH) zum Ziel, eine eigene App für die vollständige Digitalisierung des Gemeindelebens zu entwickeln. Bereits ein Jahr später starteten sie mit der CITIES-App in Fürstenfeld. Mittlerweile sind zahlreiche Gemeinden österreichweit – aber vor allem auch aus Niederösterreich (wie etwa Tulln, Stockerau, Melk, Mistelbach oder Wolkersdorf) auf den digitalen Zug aufgesprungen. Neben den bereits genannten Vorteilen und Bonussystemen bietet die Applikation neben Betrieben vor allem Vereinen und Privatpersonen eine (inter-)aktive Nutzungsmöglichkeit. Nach Vorbild sozialer Netzwerke ist das System nicht statisch aufgebaut, sondern es können viele verschiedene Akteure den Content für die CITIES-App liefern. Damit erhalten Nutzerinnen und Nutzer nicht nur interessante Benachrichtigungen ihres Tennisvereins, sie können auch persönliche Anliegen direkt an ihre Gemeinde richten. Amazon und andere Online-Riesen scheinen zwar weiterhin auf dem Vormarsch. Mit den richtigen Hebeln und Ansätzen können unsere Gemeinden ihren heimischen Betrieben jedoch das Werkzeug in die Hand legen, den Abfluss des Geldes aus der Region zu stoppen und attraktive Alternativen aufzuzeigen.

#ICHKAUFLOKAL

Auch Aktionen machen in Niederösterreich auf lokale Unternehmen aufmerksam. Mit dem Leitspruch „Der ,Black Friday‘ ist in Niederösterreich blau-gelb!“ fand im Rahmen der WKNÖ-Lokalkampagne #ichkauflokal vergangen November ein solcher Aktionstag statt. Damit sollte aufmerksam gemacht werden, wie wichtig die Unterstützung heimischer Betriebe ist. An besagtem Freitag hatten Kundinnen und Kunden die Chance, den Rechnungsbetrag zurückzuerlangen. Knapp 1.900 Partnerbetriebe aus den
verschiedensten Branchen Niederösterreichs unterstützen bereits die Kampagne, die auch 2023 wieder anlaufen soll.

Eine Online-Landkarte bietet einen Überblick über die Partnerbetriebe:

https://www.wko.at/site/ich-kauf-lokal/start.html

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