Nachbarschaftsfest statt Stacheldraht

Wo einst der eiserne Vorhang war, wird heute grenzüberschreitend gefeiert. Das Beispiel Moorbad- Harbach zeigt, wie das Friedensprojekt EU unser Niederösterreich verändert hat und wie Gemeinden diesseits und jenseits der Grenze vom Kleinprojektefonds profitieren.

Beitrag von Daniela Linauer

Ende April ist es mit 2,5 Grad noch recht kühl im Waldviertel, wir machen dennoch einen Lokalaugenschein in der wunderschönen Marktgemeinde Moorbad-Harbach und treffen uns mit Bürgermeisterin Margit Göll direkt an der Staatsgrenze zur Tschechischen Republik.

An der Wiese, wo wir stehen, fahren Kurgäste auf Fahrrädern zwischen Waldviertel und Tschechien umher oder spazieren in den nächstgelegenen Ort über die Grenze. Informationstafeln und der Meilenstein des Friedens lassen erahnen, dass wir uns direkt an der Staatsgrenze befinden.

364 Tage im Jahr ist es „nur“ eine Wiese. Aber einmal im Jahr wird dort grenzüberschreitende Freundschaft gelebt. Mit Blasmusik und gutem Essen wird jedes Jahr die Gemeinschaft über die Staatsgrenzen hinaus gefeiert. „Genau hier feiern wir seit über 30 Jahren unsere Freundschaft mit der Gemeinde Horni Stropnice“, so Margit Göll.

Nicht nur das Grenzfest zeigt die besondere Partnerschaft auf. Auch gemeinsam erschaffene Projekte wie zum Beispiel die Aussichtsplattform am Nebelstein oder die Neugestaltung eines zweisprachigen Themenweges schweißt die Gemeinden zusammen und unterstreicht die Freundschaft zueinander.

All diese Projekte müssen aber auch finanziert werden. Dazu ist es notwendig, einen Partner an der Seite zu wissen, der diese Vorhaben nicht nur finanziell, sondern auch beratend unterstützt. In Niederösterreich gibt es dazu zum Beispiel den Kleinprojektefonds (KPF) der NÖ.Regional GmbH. Der Fonds fördert Projekte zur Begegnung von Menschen in Nachbarstaaten sowie von grenzüberschreitenden kleinen Kultur- und Tourismusprojekten.

Folgende Voraussetzungen sind unter anderem für eine Förderung notwendig:

  • gemeinsame Projektvorbereitung und -umsetzung sowie zusätzlich gemeinsame Finanzierung und/oder Personal
  • grenzüberschreitende Wirkung der Projekte
  • Förderquote: 80 % EFRE-Mittel (aus dem Programm Interreg AT–CZ) 20% Eigenmittel bzw. nationale Kofinanzierung
  • Projektgesamtkosten: max. 30.000 Euro (KPF People-to-people) max. 50.000 Euro (KPF – Kultur und Tourismus)

Ein Rückblick zeigt: Im Zeitraum 2017 bis 2022 wurden über 90 Kleinprojekte in Niederösterreich durch den KPF gefördert.

Zurück im beschaulichen Waldviertel am Fuße des, passend zum Wetter, Nebelsteins findet Margit Göll wichtige Worte: „Durch unsere Gemeindepartnerschaft können positive Veränderungen und Fortschritte in vielen gesellschaftlichen Bereichen erreicht werden. Unser nächstes Projekt steht schon in den Startlöchern.“

Welches Projekt das genau ist, will uns Margit Göll noch nicht verraten, dennoch wird es wieder auf dem wichtigsten Grundpfeiler erschaffen: Gemeinschaftliche Zusammenarbeit und Engagement über die Staatsgrenzen hinweg zum Wohl der Gesellschaft.

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