Wie Gemeindegeld den Wirtschaftsmotor am Laufen hält

Gemeindekassen sind keine Schatztruhen – sie sind nachhaltige Werkzeuge. Jeder Euro, der über Grundsteuer, Kommunalsteuer, Ertragsanteile oder Gebühren in die Gemeinde fließt, verwandelt sich in Licht auf unseren Straßen, warme Klassenräume, sichere Gehsteige, barrierefreie Amtswege und Aufträge für regionale Betriebe. Gemeindefinanzen sind Mittel zum Zweck – und dieser Zweck heißt: Lebensqualität sichern, Wirtschaft beleben, Zukunft bauen.

Autor: Gerhard Sengstschmid

Wer Grundsteuer, Kommunalabgaben oder Gebühren zahlt, finanziert ganz konkret Leistungen vor Ort. Die Gemeindeeinnahmen werden nämlich zu einem Großteil wieder vor Ort investiert. Insgesamt geben die 573 niederösterreichischen Gemeinden jährlich rund 4,3 Milliarden Euro aus – ein enormer Hebel vor allem für lokale Unternehmen und regionale Services. Wenn Gemeinden investieren, arbeitet die regionale Wirtschaft: Planung, Bau, Elektrotechnik, Metallbau, Holz, regionale Zulieferer – jeder Auftrag erzeugt Arbeitsplätze und Wertschöpfung vor Ort.

Bgm. Christian Haberhauer - Amstetten
Bgm. Christian Haberhauer – Amstetten

„Natürlich versuchen wir immer, so viele Aufträge wie möglich an lokale und regionale Unternehmen zu vergeben. Das ist nämlich doppelt gut investiertes Geld, denn so fließt Steuergeld direkt an unsere Firmen, Arbeitsplätze werden gesichert und die regionale Wirtschaft wird gestärkt“, berichtet Amstettens Bürgermeister Christian Haberhauer. In Amstetten wurden in den vergangenen Jahren mit dem Stadtbad, dem neuen Hauptplatz und der Zusammenlegung der drei Bauhöfe in einer zentralen Stadtpflege zahlreiche bauliche Investitionen getätigt. „Diese Projekte stärken natürlich vor allem die heimische Wirtschaft und durch die Kommunalsteuern schließt sich der Kreislauf wieder“, erklärt Haberhauer.
Zusätzlich zu den kommunalen Steuern und Abgaben investieren auch Land und Bund in die Gemeinden. Heuer und in den kommenden Jahren kommen aus dem kommunalen Investitionsprogramm des Bundes für NÖ Gemeinden rund 160 Millionen Euro, unbürokratisch und ohne Co-Finanzierungen, wie der Präsident des Österreichischen und des Niederösterreichischen Gemeindebunds, Johannes Pressl, betont: „Es wird in Zukunft keine Co-Finanzierungen und keine mühsame Abwicklung mehr geben. Damit kommt das Geld direkt
in den Gemeinden an. Das ist ein starkes Signal in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Die Bundesmittel kommen rasch, direkt und ohne Anträge zu uns – das ist nicht nur eine enorme Entlastung, sondern gibt auch neue Handlungsspielräume für notwendige Investitionen.“

Von der Grundsteuer zur Straßenbeleuchtung: Woher kommt das Geld?

Die finanzielle Basis einer Gemeinde bilden aber die Steuern, Gebühren und die Ertragsanteile. Die Grundsteuer B ist eine ausschließliche Gemeindeabgabe – ihr Ertrag fließt vollständig an die Kommunen. Das ist bares Geld für kommunale Leistungen – vom Winterdienst bis zur Straßenbeleuchtung. Die Kommunalsteuer (3 Prozent der Lohnsumme) stärkt jene Orte, in denen Arbeitsplätze entstehen. Sie ist bundesgesetzlich geregelt, aber eine echte Gemeindeabgabe. Ertragsanteile (Gemeindeanteile an Bundesabgaben) sind die dritte tragende Säule. Wie viel jede Kommune erhält, richtet sich vor allem nach der Einwohnerzahl, die Unterverteilung regelt, dass größere Gemeinden wegen höherer Kosten stärker gewichtet werden.

Finanzen sind Mittel zum Zweck: Wofür brauchen Gemeinden das Geld?

Gemeinden tragen die Verantwortung für mannigfaltige Aufgaben, die finanziert werden müssen. Deshalb werden Budgets für die Pflegeumlagen, für Krankenanstalten, für Kinderbetreuung und Schulen, für Wasser/Abwasser/Abfall, Feuerwehren, Klima- und Energieschutz, Digitalisierung, Barrierefreiheit, Nahversorgung – und für die laufende Erhaltung all dessen benötigt. Die kommunalen Bruttoanlageinvestitionen (Straßen, Schulen, Kindergärten, Wasser, Abwasser, Energie, Digitalisierung…) sind nicht Luxus – sie sind das Fundament der Standortqualität. Gemeinden sind also nicht nur Leistungserbringer, sondern Taktgeber der Investitionstätigkeit.

Nachhaltigkeit schafft Sparpotentiale: Wie investieren Gemeinden das Geld?

Bgm. Klaus Schneeberger - Wr. Neustadt
Bgm. Klaus Schneeberger – Wr. Neustadt

Im zentralen Fokus der Kommunen steht natürlich auch immer die Frage, was wie investiert wird. Angesichts der aktuell angespannten finanziellen Situation sind langfristig nachhaltige Anschaffungen das Gebot der Stunde. Ein Beispiel für kommunale Nachhaltigkeit ist die Umrüstung auf LED-Straßenbeleuchtungen. In Wiener Neustadt arbeitet man beispielsweise aktuell daran, bis Jahresende rund 9.000 Lichtpunkte auf stromsparende LED-Technologie umzurüsten. „Unsere Umstellung auf LED macht sich, wie die Zahlen bereits jetzt ganz deutlich zeigen, mehr als nur bezahlt. Wir leisten hier einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Energieeffizienz und sparen Strom ein. Auf unserem Weg hin zur klimaneutralen Stadt sind Maßnahmen in Hinblick
auf die Energieautarkie wichtig und richtig – für unsere Stadt, vor allem aber für unsere Umwelt“, argumentiert Bürgermeister Klaus Schneeberger.

Nach Fertigstellung der neuen Beleuchtung erwarten die Verantwortlichen cirka 40 bis 50 Prozent Stromeinsparungen und deutlich weniger Reparaturen. LED-Projekte sind also haushalts- und klimapolitische Doppelgewinne. Sie reduzieren Energiekosten, Wartung und Emissionen – und sichern Aufträge für lokale Elektro- und Bauunternehmen. Ähnlich sinnvoll ist die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen. „Niederösterreich ist die Ökostrom-Lokomotive Österreichs. Allein im Vorjahr wurden 28.000 neue PV-Anlagen errichtet. Aktuell haben wir rund 143.000 PV-Anlagen, die 9 von 10 Haushalten in Niederösterreich mit sauberem Strom versorgen. Österreichweit produzieren wir hier in Niederösterreich mehr als ein Viertel des gesamten Solarstroms“, berichtet LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf.

Photovoltaik-Anlagen schaffen finanziellen Spielraum

In Niederösterreich haben Menschen ohne eigene Hausdächer und Balkone auch die Möglichkeit, sich an sogenannten „Sonnenkraftwerk“-Bürgerbeteiligungsprojekten in ihren Gemeinden und beim Land Niederösterreich zu beteiligen. Bei diesen Projekten werden PV-Anlagen auf öffentlichen Dächern montiert. So tragen auch jene Bürgerinnen und Bürger aktiv zur Energiewende bei, die sonst keine Möglichkeit hätten, eine PV-Anlage zu installieren. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Ausbau erneuerbarer Energien und erhalten sogar finanzielle Rendite. Innerhalb von fünf Jahren haben bereits 20 Prozent der Gemeinden Sonnenkraftwerke zur Verfügung gestellt. 5.470 Privatpersonen (Stand Mai 2025) haben sich an diesen Energiewende-Projekten in ihren Gemeinden beteiligt. Zahlreiche Gemeindegebäude, von Kindergärten über Sportplätze bis hin zu Gemeindezentren wurden dazu in den letzten Jahren mit Photovoltaikanlagen ausgestattet.
Die Quintessenz ist klar: Photovoltaik rechnet sich, besonders auf kommunalen Dächern und Parkflächen. Bürgerbeteiligungsmodelle binden die lokale Bevölkerung, stärken Wertschöpfung im Ort und machen Energiekosten kalkulierbar. Sinnvolle Investitionen wie PV-Anlagen oder LED-Umrüstungen senken laufende Kosten und schaffen mehr Spielraum für Soziales, Vereine und die Jugend in den Gemeinden.

Miteinander stärker: Energiegemeinschaften für Windkraft im Fokus

Bgm. René Lobner - Gänserndorf
BO LAbg. Bgm. René Lobner – Gänserndorf

Ein weiteres niederösterreichisches Nachhaltigkeitsthema heißt „Windkraft“. Am 24. September wurde deshalb vom Niederösterreichischen Gemeindebund die Gründung eines eigenen „Fachausschusses Windkraft“ beschlossen. In dieser Arbeitsgruppe sind vorerst Bürgermeister bzw. Gemeindevertreter vor allem aus jenen Bezirken vertreten, in denen Windkraft bereits jetzt ein Thema ist. In Zukunft will man aber auch die relevanten Stakeholder – vor allem die Energieerzeuger – mit an Bord holen. „Das primäre Ziel ist es, die Gemeinden besser zu koordinieren, um Energiegemeinschaften zum Thema Windkraft zu schaffen. Dabei geht es einerseits um die Entlastung der Geldbörsen der Bürgerinnen und Bürger und andererseits wollen wir damit auch einen Mehrwert für die Kommunen schaffen“, berichtet der Vorsitzende des neuen Fachausschusses, Landtagsabgeordneter und Bürgermeister René Lobner. Um Win-Win-Situationen für Gemeinden und Energieerzeuger zu schaffen, wird man sich laut Lobner in den nächsten Wochen und Monaten vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen genau ansehen. „Wir wollen heuer noch die wichtigsten Eckpfeiler einschlagen und rasch in konkrete Formulierungen kommen, um in Kooperationsverhandlungen mit den Energieerzeugern eintreten zu können.“ Im ersten Schritt stehen vor allem sicherheitstechnische Aspekte und Kooperationsmöglich-

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