NÖ-Beispiele aus Dobersberg, Ziersdorf und Nußdorf ob der Traisen zeigen Folgen verschobener Projekte – Pressl fordert kommunalen Investitions-Turbo…
Wenn Gemeinden nicht mehr investieren können, bleibt das nicht folgenlos: In Niederösterreich zeigt sich ganz konkret, was verschobene kommunale Projekte für Kinderbetreuung, Ortsentwicklung, Zusammenhalt und regionale Wertschöpfung bedeuten. Beim Pressegespräch des Österreichischen Gemeindebundes wurden mit Dobersberg, Ziersdorf und Nußdorf ob der Traisen gleich mehrere niederösterreichische Beispiele vorgestellt, die verdeutlichen, wie stark die Investitionsbremse mittlerweile in den Gemeinden angekommen ist.
„Rund 1 Milliarde Euro an kommunalen Investitionen wurden seit Anfang 2025 in den österreichischen Gemeinden aufgeschoben oder abgesagt. Das sind Kindergärten, Straßen, Hauptplätze, Radwegverbindungen und Begegnungsräume und vieles andere mehr. Klar ist: Wenn Gemeinden nicht investieren, fehlen der regionalen Wirtschaft dringend benötigte Aufträge“, erklärte NÖ Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl.
Niederösterreich besonders stark vertreten
Grundlage dafür ist eine aktuelle Blitzumfrage des Gemeindebundes. Rund ein Drittel aller Rückmeldungen kam aus Niederösterreich. Konkret haben sich 246 der 573 niederösterreichischen Gemeinden an der Umfrage beteiligt. Das unterstreicht nicht nur die hohe Betroffenheit, sondern auch, wie stark das Thema die Gemeinden in Niederösterreich derzeit beschäftigt. Vier von fünf Gemeinden mussten im Jahr 2025 Investitionen verschieben, reduzieren oder absagen. Hochgerechnet auf ganz Österreich entspricht das rund 1 Milliarde Euro an aufgeschobenem Investitionsvolumen und mehr als 5.000 Projekten. Für Niederösterreich ist klar: Die Auswirkungen sind in den Gemeinden direkt spürbar – bei der Infrastruktur ebenso wie bei den Betrieben vor Ort.
NÖ Gemeinden zeigen die Folgen vor Ort

In der Marktgemeinde Dobersberg im Waldviertel musste etwa die nachhaltige Sanierung der Terrasse beim Kindergarten mit einem Investitionsvolumen von rund 50.000 Euro verschoben werden. Bürgermeister Lambert Handl schildert die Lage so: „Wir haben den politischen Auftrag zum Ausbau der Nachmittagsbetreuung erfüllt; dadurch wird unser Kindergarten stärker genutzt. Gleichzeitig gibt es einen behördlichen Verbesserungsauftrag für schadhafte Stellen im Terrassenbereich. Wir bessern laufend aus, aber eine dauerhafte Sanierung statt jährlicher Reparaturen ist derzeit finanziell nicht darstellbar. Wer Gemeinden zusätzliche Betreuungsleistungen überträgt, muss auch die notwendige Infrastruktur mitfinanzieren.“

Auch in Ziersdorf im Weinviertel liegt ein zentrales Projekt auf Eis: Die geplante Umgestaltung des Hauptplatzes mit einem Investitionsvolumen von 1 Million Euro wurde verschoben. Bürgermeister Stefan Schröter verweist auf die Bedeutung solcher Vorhaben für das Ortszentrum: „Ein Hauptplatz ist nicht nur eine Fläche. Er ist Treffpunkt, Ortszentrum und Visitenkarte einer Gemeinde. Wenn wir solche Projekte verschieben müssen, bleibt auch Ortsentwicklung liegen – und damit ein Stück Gemeindeleben.“
In Nußdorf ob der Traisen musste die Modernisierung des Veranstaltungs- und Begegnungsbereichs im Ortszentrum mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 4,7 Millionen Euro zurückgestellt werden. Bürgermeister Patric Pipp betont die doppelte Bedeutung solcher Investitionen: „Ein Veranstaltungs- und Begegnungsbereich ist mehr als ein Bauprojekt. Er ist Infrastruktur für Vereine, Ehrenamt, Veranstaltungen und Zusammenhalt. Gleichzeitig reden wir bei 
Bgm. Patric Pipp – Nußdorf ob der Traisensolchen Projekten über konkrete Aufträge für Betriebe aus der Region – vom Bau über Elektro und Installation bis zur Planung.“
Regionale Betriebe verlieren konkrete Aufträge
Gerade darin liegt aus Sicht des Gemeindebundes die besondere Brisanz: Wenn kommunale Projekte verschoben werden, trifft das nicht nur die Gemeinden selbst, sondern auch die regionale Wirtschaft. „Kommunale Investitionen sind
handfeste regionale Aufträge. Das Geld fehlt nicht irgendwo. Es fehlt beim Baumeister, beim Installateur, beim Elektriker, bei der Tischlerei, beim Planer in der Region. Sie haben tausende konkrete Aufträge verloren. Genau diese Aufträge können Gemeinden auslösen, wenn sie investieren könnten“, betonte Johannes Pressl.
Kommunaler Investitions-Turbo als Lösung
Um gegenzusteuern, schlägt der Österreichische Gemeindebund einen kommunalen Investitions-Turbo vor. Im Kern geht es um eine Zinsstützung für kommunale Investitionskredite, um notwendige Projekte wieder möglich zu machen. „Wir wollen gar keine Vollkostenübernahme. Wir wollen lediglich eine Zinsstützung, die einen Investitionsanreiz schafft und sich am Ende auch wieder ‚rechnet‘. Unser Vorschlag: Der Bund hilft den Kommunen bei den Zinsen, die Gemeinden investieren vor allem in Maßnahmen, die auch bei den laufenden Kosten Einsparungen bringen – beispielsweise PV-Anlagen und Speicher. Oder wir finanzieren dringend notwendige Infrastruktursanierungen bei Straßen, Wasserleitungen oder Kanälen. Mit den Einsparungen bei den Energiekosten oder den eingesparten Folgeschäden zahlen wir die Kredite zurück. Eine klassische „Win-Win“-Situation: Rasche Sanierungen oder Energiewendemaßnahmen zum Nutzen für die Gemeinden und Bürger. Und ein Investitionsturbo der Regierung in die lokale Wirtschaft, der rasch wirkt, weil die Investitionen rasch aktivierbar sind“, erklärte Pressl.
Abschließend erneuerte Pressl den Appell, die Investitionskraft der Gemeinden gezielt zu stärken: „Unser Appell ist daher klar: Wer Infrastruktur, Lebensqualität und regionale Wirtschaft stärken will, muss die Investitionskraft der Gemeinden stärken. Die Projekte liegen vor, die Gemeinden wollen investieren, die Betriebe stünden bereit. Jetzt braucht es den kommunalen Investitions-Turbo in Form einer kräftigen Zinsunterstützung, damit aus Plänen wieder regionale Aufträge und aus Aufträgen wieder Baustellen werden.“
Auswertung_Blitzumfrage_Investitionsbarometer_April_2026 (1)