Selbstbestimmt leben dank mobiler Hilfsdienste

Wenn mit zunehmendem Alter vieles schwerer fällt und der Alltag mehr Organisation braucht, unterstützen mobile Hilfsdienste ältere Menschen dabei, sich ihren Herzenswunsch zu erfüllen: ein selbstbestimmtes Leben zu Hause.

Autor: Gerhard Sengstschmid

Mobile Hilfsdienste passen sich den individuellen Bedürfnissen an und verbinden praktische Unterstützung mit Sicherheit und Würde. Ob Hilfe im Haushalt, Begleitung im Alltag oder die Animation zur Pflege von sozialen Kontakten, die richtige Auswahl aus dem breiten Angebot sorgt dafür, dass gelebter Alltag in gewohnter Umgebung auch im Alter möglich ist.

Mobile Hilfsdienste versus mobile Pflegedienste

Wenn es um mobile Unterstützung zu Hause geht, wird oftmals kein Unterschied zwischen Hilfs- und Pflegediensten gemacht, obwohl es ihn gibt. Einfach ausgedrückt sichern Hilfsdienste den Alltag, während Pflegedienste medizinisch-pflegerische Leistungen erbringen. Hilfsdienste strukturieren den Alltag und den Haushalt. Typische Leistungen sind Einkaufen, Kochen, Reinigen, Erledigung der Wäsche, Begleitung zu Terminen oder – unter Anleitung – einfache Unterstützung bei der Körperpflege. Zum Einsatz kommt bei mobilen Hilfsdiensten geschultes Personal in Sachen Heimhilfe und Sozialbetreuung. Die Aufgabe von Pflegediensten wiederum ist es, die Gesundheit der betroffenen Menschen zu stabilisieren und den Pflegebedarf fachlich abzudecken. Sie kümmern sich um Wundversorgung, Injektionen, Medikamentenmanagement oder auch Pflegeplanung und Pflegeberatung.

Leistungen und Beispiele von mobilen Hilfsdiensten

Mobile Hilfsdienste sichern die Versorgung zuhause und schaffen Entlastung. Dadurch entsteht mehr Raum für Wesentliches, die Lebensqualität der Betroffenen wird verbessert.
Der Klassiker der mobilen Hilfsdienste ist unter dem Begriff „Heimhilfe“ bekannt. Aufgabe ist es, die Betreuung von Personen, die aufgrund von Alter oder Krankheit nicht mehr gut alleine zurechtkommen, zu übernehmen. Eine sinnvolle Ergänzung zu den klassischen Betreuungsangeboten stellen Alltagsbegleiterinnen und -begleiter dar. Durch ihren Einsatz entlasten sie pflegende Angehörige und motivieren pflegebedürftige Personen dazu, wieder am sozialen Leben teilzunehmen. Sie leisten Gesellschaft, hören zu, führen Gespräche oder lesen vor. Sie animieren die Betroffenen zum Basteln, Spielen oder Kochen, erledigen gemeinsam Besorgungen, begleiten ihre Klienten bei Spaziergängen und Treffen mit Freunden oder motivieren zu kleinen Unternehmungen im Alltag.
Eine große Erleichterung im Alltag stellt für kranke und pflegebedürftige Menschen die in Niederösterreich umfassend angebotene Aktion „Essen auf Rädern“ dar, da das tägliche warme Mittagessen direkt ins Haus geliefert wird. 2024 wurden in Niederösterreich insgesamt 2.649.417 Portionen zugestellt. Durchgeführt wird „Essen auf Rädern“ von rund 135 Gemeinden sowie mehr als 120 weiteren Rechtsträgern wie dem NÖ Hilfswerk, der NÖ Volkshilfe, dem Roten Kreuz, von Pfarren und vielen anderen. Das Menüangebot variiert je nach Anbieter, meist gibt es die Wahl zwischen Normalkost, Schonkost, Diabetikerkost und fleischloser Kost.

Mobilität bringt Lebensqualität

Randeggs Bürgermeister Manfred Wieser

Die Aufrechterhaltung der Mobilität im Alter ist ein weiteres, wichtiges Thema, das verstärkt in ländlichen Gebieten zum Problem werden kann. Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde EMIL ins Leben gerufen. EMIL – die Abkürzung steht für Elektro-Mobilität Im Ländlichen Raum – funktioniert als Verein und sieht sich als Ergänzung zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Überall dort, wo Bus oder Bahn nicht fahren, kann EMIL zur Erhaltung der selbstbestimmten Mobilität beitragen. Wie zum Beispiel in Randegg im Bezirk Scheibbs. Seit dem 1. August 2024 ist EMIL dort im Einsatz und bereichert das Mobilitätsangebot in der Gemeinde. Auf Initiative von Vizebürgermeisterin Margit Lechner wurde gemeinsam mit Sponsoren und unterstützenden Mitgliedern der soziale Fahrdienst auf die Beine gestellt. „In den ersten zwölf Monaten wurden mehr als 1.000 Fahrten gebucht. EMIL war dafür insgesamt 263 Stunden unterwegs“, berichtet Bürgermeister Manfred Wieser über das zusätzliche Angebot in seiner Heimat. „Die Rückmeldungen der Fahrgäste sind positiv. Auf unkomplizierte Weise können so Arzttermine, Einkäufe oder Besuche absolviert werden. Eine wertvolle Bereicherung für die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Gemeinde!“ In vielen Regionen runden zusätzlich Anruf- Sammel-Taxis (AST) oder Rufbusse das Angebot des öffentlichen Verkehrs ab. Regulärer Linienverkehr kann so bedarfsorientiert ergänzt werden. Das ermöglicht vielen, abseits vom eigenen KFZ oder öffentlichem Verkehr, mobil zu bleiben. Zudem werden pflegende oder helfende Angehörige entlastet.

Hilfe auf Knopfdruck: Smarte Technik als Ergänzung

Notrufsysteme geben Senioren oder betreuungsbedürftigen Menschen zusätzliche Sicherheit. Zu wissen, dass Hilfe jederzeit nur einen Knopfdruck entfernt ist, macht ein selbstständiges
Leben einfacher. Angehörigen wird die Sorge genommen, dass im Notfall niemand zur Stelle sein könnte. Smarte Notrufuhren, wie sie von verschiedenen Organisationen angeboten werden, entsprechen den modernsten Anforderungen der Technik und sind trotzdem einfach zu bedienen. Notruftelefone sorgen dafür, dass im Ernstfall auf Knopfdruck ein automatischer Notruf abgesetzt wird. Menschliche Hilfe ist damit dank neuester Technik in heiklen Situationen schnell zur Stelle. Schlüsselsafes schaffen für vertraute Personen oder im Notfall sicheren Zutritt zum Wohnraum. Digitale Helfer, Notrufsysteme oder smarte Assistenzsysteme können die herkömmliche, persönliche Betreuung durchaus sinnvoll ergänzen.

Im Team zum Unterstützungs-Netzwerk für zu Hause

Viele Bedürfnisse lassen sich oftmals am besten im Team lösen. Durch die Kombination mehrerer Dienste kann ein Betreuungsnetz geschaffen werden, das, angepasst an die jeweilige Situation, so viel Hilfe bietet, wie nötig. Oftmals entsteht dadurch wieder mehr Selbstständigkeit und damit auch mehr Zufriedenheit bei den zu Betreuenden. Ist ein gutes Netz geschaffen, können auch Angehörige wieder durchatmen. Alltagsbegleitung oder Betreuung in Urlaussituationen schaffen mehr Balance im Familienalltag.

Mobile Hilfe ist keine Alterssache

Abschließend sei erwähnt, dass mobile Hilfe kein ausschließliches Seniorenthema ist. Auch in jüngeren Jahren kann nach einem Unfall oder bei schwerer Krankheit Unterstützung nötig sein. Hilfe schafft auch in Übergangssituationen Struktur, Sicherheit und mehr Zeit für essentielle Dinge wie Heilung und Genesung.

Die Caritas in Niederösterreich

In Niederösterreich unterhalten die Caritas der Diözese St. Pölten, die für NÖ West zuständig ist, und die Caritas der Erzdiözese Wien, die NÖ Ost betreut, in der mobilen Pflege insgesamt 51 Sozialstationen. Rund 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Pflege (Heimhilfe, Pflegeassistenz, Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege), der sozialen Alltagsbegleitung (Besuchsdienste, Reinigung etc.) sowie in der mobilen Therapie beschäftigt. Gemeinsam leisten sie an die 1.080.000 Pflegestunden pro Jahr, um Menschen in ihrem Zuhause zu betreuen und pflegende Angehörige zu entlasten.

Mobile Hilfsdienste in Niederösterreich

CARITAS

ROTES KREUZ

VOLKSHILFE

HILFSWERK

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