Der Österreichische Gemeindebund hat am 18. März 2026 ein Positionspapier zur Zukunft der Pflege beschlossen und bringt damit die kommunale Sicht in die Verhandlungen mit Bund und Ländern ein. Im Mittelpunkt steht die Pflegekaskade – von Vorsorge und Alltagsunterstützung über mobile Angebote bis zur stationären Pflege.
Österreich wird älter – und damit steigen Unterstützungs-, Betreuungs- und Pflegebedarf spürbar. Für die Gemeinden ist das keine Zukunftsmusik, sondern tägliche Realität: Sie erleben früh, wo Angehörige an ihre Grenzen kommen, wo Mobilität fehlt, wo passende Wohnformen fehlen und wo Orientierung im System fehlt.
Der Bundesvorstand des Österreichischen Gemeindebundes hat daher am 18. März 2026 in Wien einstimmig das Positionspapier „Vorsorge stärken. Pflege daheim absichern. Finanzierung ehrlich neu ordnen.“ beschlossen. Es wird nun in die weiteren Verhandlungen mit Bund, Ländern und Partnern im System eingebracht.
Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl betont dazu:
„Die Frage des Alterns in Würde entscheidet sich nicht zuerst in einer Pflegeeinrichtung, sondern im Alltag der Menschen. Gerade weil 87 Prozent der Menschen in den eigenen vier Wänden und damit in ihren Heimatgemeinden alt werden wollen, ist das auch ein zentrales Thema für die Gemeinden.“
Pflegekaskade als Leitbild – und in der NÖ GEMEINDE bereits Thema
Im Zentrum des Papiers steht die „Pflegekaskade“ als Leitbild: zuerst Vorsorge und Unterstützung im Alltag, dann mobile und niederschwellige Angebote, danach Tagesbetreuung sowie Kurzzeit- und Übergangspflege, anschließend betreubare Wohnformen und Entlastung für Angehörige (u. a. 24h-Betreuung) – und stationäre Pflege als intensivste Form dort, wo sie notwendig ist.
Wichtig: Diese Pflegekaskade wurde auch in der NÖ GEMEINDE (November-Ausgabe 2025, Schwerpunkt „Pflege“) bereits ausführlich beschrieben – inklusive übersichtlichem Stufenmodell:
NÖ GEMEINDE_Pflege_nov25
Was Gemeinden besonders fordern
Das Positionspapier bündelt die kommunale Sicht in klaren Schwerpunkten:
- Vorsorge systematisch stärken (Gesundheitsförderung, Barrierefreiheit, Mobilität, Beratung)
- Pflege daheim absichern & Angehörige entlasten
- Kurzzeit-, Tages- und Übergangspflege rasch ausbauen (größter Engpass aus Sicht vieler Gemeinden)
- Finanzierung ehrlich neu ordnen: klare Zuständigkeiten, faire Lastenverteilung – Gemeinden dürfen nicht dauerhaft Lücken anderer Ebenen finanzieren.