Zukunftsgespräch: Zukunftsfit verwalten heißt bürgernah verwalten

Beim Auftakt der Zukunftsgespräche in Kottingbrunn rückte Johannes Pressl die niederösterreichischen Gemeinden als erste Ansprechpartner der Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt. Unter dem Titel „Zukunftsfit verwalten: Service, Tempo, Vertrauen“. diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Gemeinden gemeinsam mit dem Publikum über konkrete Wege zu einer modernen, bürgernahen Verwaltung.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Christian Macho diskutierten Vertreter aus Wissenschaft, Verwaltung und kommunaler Praxis über Reformansätze für Niederösterreich. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie moderne Verwaltung so gestaltet werden kann, dass sie effizient arbeitet, digitale Chancen nützt und gleichzeitig nahe bei den Bürgerinnen und Bürgern bleibt.

Pressl: Gemeinden bleiben erste Anlaufstelle der Menschen
NÖ Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl unterstrich in der Podiumsdiskussion die besondere Rolle der Gemeinden im Verwaltungsgefüge. Für ihn ist klar, dass moderne Verwaltung nicht allein an digitalen Angeboten gemessen werden darf, sondern vor allem daran, ob sie für die Menschen verständlich, erreichbar und verlässlich ist.

„Unsere Gemeinden sind und bleiben der erste und wichtigste Kontaktpunkt für die Bürgerinnen und Bürger. Gerade dort entscheidet sich, ob Verwaltung als hilfreich, schnell und lösungsorientiert erlebt wird“, betonte Pressl. Digitalisierung sei dabei ein wichtiger Schritt, aber niemals Selbstzweck. „Die Gemeinde ist auch in Zukunft das menschliche Backup – persönlich erreichbar, verständlich in der Auskunft und verlässlich in der Lösung.“

Gerade in Zeiten wachsender Anforderungen brauche es eine Verwaltungsreform, die nicht an den Menschen vorbeigeht, sondern den Alltag einfacher macht.

Wissenschaftliche Einordnung als Grundlage der Diskussion

Univ.-Prof. Christoph Badelt, Univ.-Prof. Peter Filzmaier und Dr. Katrin Praprotnik gaben zudem Einblicke aus ihren jeweiligen Zukunftsfeldern – von der Aufgabenkritik der Verwaltung bis hin zu aktuellen Ergebnissen aus dem Demokratieradar.

Christoph Badelt betonte die Bedeutung der Analyse: „Wenn Anforderungen steigen und Ressourcen begrenzt sind, wird Effizienz zu einer zentralen Zukunftsfrage. Niederösterreich setzt hier mit einem österreichweit bemerkenswerten Prozess an. Verwaltung soll leistungsfähiger werden, Spielräume für Zukunftsinvestitionen schaffen und den Menschen im Alltag schneller und verständlicher helfen.“

Peter Filzmaier verwies auf die Perspektive der Bevölkerung: „Die Befragung zeigt sehr klar, dass die Bürgerinnen und Bürger keine Verwaltung nach einem Entweder-oder-Prinzip wollen. Sie wünschen sich für Amtswege sowohl mehr digitale Möglichkeiten als auch wie bisher persönliche Erreichbarkeit, verständliche Auskünfte und verlässliche Abläufe. Wenn 79 Prozent die persönliche Begegnung mit Behörden gerne nutzen würden, 77 Prozent das Telefonat mit einer realen Person und zugleich 80 Prozent E-Mail-Kommunikation wollen, dann ist die Botschaft eindeutig: Digitalisierung ist eine von den Menschen gewollte Notwendigkeit, moderne Verwaltung muss schneller und einfacher werden. Sie darf dabei aber den menschlichen Kontakt nicht verlieren.“

Katrin Praprotnik hob die Bedeutung von Vertrauen hervor: „Vertrauen entsteht dort, wo Menschen Entscheidungen nachvollziehen können und sich mit ihren Anliegen ernst genommen fühlen. Das Demokratieradar zeigt, dass eine Mehrheit die Demokratie grundsätzlich funktionierend wahrnimmt, gleichzeitig gibt es klare Erwartungen an Reformen. Etwa eine stärkere Bekämpfung von Korruption, ein besserer Schutz der Pressefreiheit und mehr Transparenz in der Entscheidungsfindung. Genau deshalb ist eine bürgernahe Verwaltung auch ein Beitrag zu einer lebendigen Demokratie.“

Gemeinden als Partner einer zukunftsfitten Verwaltung
Neben Johannes Pressl diskutierten Landesamtsdirektor Werner Trock und E-Governance-Experte Peter Parycek am Podium über die Zukunft der Verwaltung. Dabei wurde deutlich, dass Niederösterreich mit der Weiterentwicklung seiner Verwaltungsstrukturen einen ambitionierten Weg eingeschlagen hat.

Auftakt für einen breiten Zukunftsdialog
Das Zukunftsgespräch in Kottingbrunn bildete den Auftakt für insgesamt fünf Veranstaltungen im Jahr 2026. Ziel der Reihe ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse, Praxiserfahrungen und Rückmeldungen aus der Bevölkerung zusammenzuführen.

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