Füreinander in der Katastrophe

Im Katastrophenfall ist die Nachbarschaftshilfe oft das letzte Netz. Die Aktion „Füreinander Niederösterreich“ bringt willige Helfer mit Bedürftigen zusammen und organisiert die Einsätze.

Hochwasser im Kamptal, Schneemassen in den Voralpen, Eisregen im Waldviertel. Feuerwehren, Bundesheer, Energieversorger, Rettungskräfte und unzählige weitere Organisationen sind sofort im Einsatz und sorgen für Ordnung im ersten Chaos. Doch nach der ersten „heißen Phase“ ziehen die Einsatzkräfte ab. Trotzdem stehen die Betroffenen vor einem gewaltigen Berg an Problemen. Wer schaufelt den Weg zum Holzschuppen der alten Frau frei, wenn die Dächer von der Schneelast befreit sind? Wer hilft nach dem Hochwasser, den Schlamm aus dem Haus zu putzen? Ab diesem Zeitpunkt sind Nachbarschaftshilfe und ziviles Engagement gefragt.


Freiwillige Helfer gibt es oft genug. Das Problem ist aber manchmal, dass die Koordination fehlt. Kurzentschlossene gute Geister müssen auch versorgt und abgelöst werden. All das verursacht in den betroffenen Gebieten oft zusätzlichen Stress für die Krisenmanager. Und genau hier hakt die Initiative „Füreinander Niederösterreich“ des Zivilschutzverbandes ein. Thomas Hauser, Geschäftsführer des NÖ Zivilschutzverbandes: „Entstanden ist die Idee in der Pandemie. Wir haben Freiwillige organisiert, die etwa den Empfang in Pflegeeinrichtungen besetzt haben, um das Personal zu entlasten. Daraus ist nun die ,Aktion Füreinander Niederösterreich’ entstanden. Inzwischen gibt es schon 600 Freiwillige, die im
Ernstfall kontaktiert werden können.“


Einsätze je nach vorhandener Zeit möglich

Gedacht ist die Aktion für Menschen, die im Katastrophenfall freiwillig helfen wollen, denen aber die Zeit fehlt, sich in einer Organisation ständig freiwillig einzubringen. Jeder Teilnehmer erhält einen eintägigen Grundkurs. Danach ist er im Standby-Modus. Im Ernstfall werden die Teilnehmer kontaktiert. Niemand
muss mitmachen, man kann auch absagen. Hauser: „Wenn es dieser Einsatz nicht ist, dann ist es halt der nächste. Generell ist die Bereitschaft zu helfen aber gewaltig. Wir haben bei einer Übung unsere Freiwilligen durchgerufen, ob sie kommenden Samstag und den darauffolgenden Montag in den Einsatz kommen könnten. Wir hätten sowohl am Wochenende als auch am Werktag sofort jeweils zwei Züge samt Ablösen zur Verfügung gehabt.“

Wir bitten alle, die sich einen derartigen, unverbindlichen Dienst vorstellen können, sich im Internet zu registrieren.

Thomas Hauser Geschäftsführer des NÖ Zivilschutzverbandes


Ausbildung zum Einsatzleiter möglich
Angeführt werden solche Züge von ebenfalls ehrenamtlichen Einsatzleitern. Wer Einsatzleiter werden will, kann nach der eintägigen Grundausbildung sechs weitere Kurstage besuchen und danach einen Zug vor Ort managen. Leichte Ausrüstung wie Gummistiefel, Schaufeln, Besen stellt der Zivilschutzverband zur Verfügung. Auch um den Transport ins Krisengebiet, die Verpflegung, die Ablöse und den Abtransport kümmert sich der Zivilschutzverband. So ist sichergestellt, dass die freiwilligen Helfer die örtlichen Strukturen nicht zusätzlich vor Schwierigkeiten stellen.


Vielfältiges Aufgabenspektrum
Das Aufgabenspektrum hängt vom Einsatz ab. Grundsätzlich können die Freiwilligen bei Hochwasser, Starkregen, Sturmschäden, Murenabgängen, Starkschneefall, Eisregen oder Blackouts eingesetzt werden. In diesen Einsätzen können sie zum Beispiel reinigen, Möbel tragen, Einkaufsdienste übernehmen, Schnee schaufeln, Infopunkte besetzen, Fahrtendienste erfüllen oder bei Behördenwegen helfen. Thomas Hauser: „Die Freiwilligen von ,Füreinander Niederösterreich’ machen dort weiter, wo die Einsatzorganisationen ihre Arbeit beenden. Nach der ersten Testphase im Bezirk Gmünd rollen wir das System nun großflächig
aus. Wir bitten alle, die sich einen derartigen, unverbindlichen Dienst vorstellen können, sich im Internet zu registrieren.“

Infos: www.fuereinanderniederoesterreich.at
Unter www.noezsv.at gibt es im Downloadbereich fertige Artikel und Inserate für die Gemeindezeitung.

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